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Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde · 1862-01-01 · 1862 · p. Seite 18

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Journal
Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
Volume
1862
Date
1862-01-01
Page
Seite 18 (sequence 18)
Language
German
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18 Anschauungstrieb unbewußt geleitet, sich in jedem Augenblick zu einem Aufschwung erhebt, der sein Auge ein weites Gebiet überschauen und mit einem Male in sich aufnehmen läßt. Und mit dieser Kraft der unmittelbaren Anschauung entwickelt sich zugleich eine andere, die in keinem Lebensalter mit solcher Macht thätig ist, wie in der Kindheit — nämlich die Phantasie. Sie ist offenbar die mitwirkende Genossin und Helferin der Anschauung in ihrer großen geistbildenden Arbeit, und hilft die mannigfaltigen Combinationen ausführen, die den Erwerbnissen der Anschauung einen so hohen Werth verleihen. Aber die Phantasie tritt auch in ihrer gesonderten Thätigkeit sehr bedeutsam hervor, und macht das kindliche Gemüth nicht nur überaus empfänglich für das Gebiet der Dichtungen, die ihren Ursprung besonders dieser Geisteskraft verdanken, — für die Fabel, das Mährchen, die Sage, die Legende u. s. w., sondern es zeigt sich dieselbe auch im reichsten Maße selbstschöpferisch und erfinderisch und läßt uns in jedem Kinde einen Dichter erkennen, der die ganze Welt mit den Schöpfungen seiner Phantasie erfüllt und mit einer Leichtigkeit ohne Gleichen die unbedeutendsten Dinge belebt und in seine phantastische Welt hineinzieht. Wer hat das kleine Mädchen, das mit der Puppe spielt, noch nicht beobachtet, und wer möchte nicht darüber staunen, mit welcher Lebhaftigkeit sich dieses oft so mißgestaltete Wesen vor seinen Blicken in ein Schwesterchen oder Brüderchen verwandelt, das schreit und weint, schläft und ißt, artig und unartig ist, und dem gegenüber sich das 3- oder 4jährige Kind vor seiner eigenen Phantasie alsbald in die ernste und liebreiche Mutter verwandelt, der er es ihre ganze Denk- und Redeweise, all ihr Thun und Schaffen abgelauscht hat. Und wenn keine Puppe bei der Hand ist, genügt irgend ein beliebiger Gegenstand, und wäre es ein Stück Holz, um vor der Phantasie des Kindes den Säugling zu ersetzen, mit dem sich zu beschäftigen seine höchste Freude ist; und die Muttergefühle, welche die Phantasie in seinem Herzchen wach ruft, bleiben auch gegen dieses Wesen nicht aus, das es in seinen Aermchen schaukelt und mit der Melodie in den Schlaf lullt, auf die es wenige Jahre vor-

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