Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Volume
- 1862
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 16 (sequence 16)
- Language
- German
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16 kehr mit der Außenwelt gelangt, jedem andern Wege vorziehen, den die pädagogische Kunst vorzeichnet, wenn ihre Methode auch noch so vollendet wäre. — Die Natur muß ihre Zeit haben, um aus dem ganz inhaltlosen Dasein des ersten Lebensjahres das Individuum herauszubilden, damit die Normal- und Gemeinbildung, welche die Pädagogik, zumal in jeder Art von Erziehungs instituten anstrebt, nicht die Formen der menschlichen Besonderheit abschleift, ehe sie noch zur Ausbildung ihrer ersten Entwickelungsstufe gelangt sind. Der Weg, auf dem die Pädagogik in den Kleinkinderschulen und Kindergärten zu den Zielen dieser Entwickelungsstufe führt, mag der gradere und kürzere sein; aber er ist darum doch nicht der bessere und schönere. Denn auch die Nm- und Abwege und selbst die Irrwege der Natur bringen ihren eigenthümlichen Gewinn, wenn sie immer wieder zum rechten Weg zurückzukehren nöthigen, oder wenn sie im großen Ganzen doch eine bestimmte Richtung festhalten. Und wie Niemand meinen wird die Natur zu verbessern, wenn er allen Flüssen den geraden Weg der Kunstwasserstraßen vorschreibt, so wenig wird der Entwickelungsweg der Kindesnatur zu einem schöneren, zweckmäßigeren und mannichfaltigeren werden, wenn sie auf dem geraden und für Alle gleichen Wege der systematischen Erziehung ihrem Ziele zugeführt wird. Denn während das Kind in dieser freien Selbstthätigkeit, in diesem spielenden Verkehr mit der Außenwelt die ganze Fülle ihrer Eindrücke in sich aufnimmt, entwickelt sich gerade aus der bunten, scheinbar ordnungslosen Mannichfaltigkeit von Anschauungen, die es gewinnt, die Kraft, sie zu ordnen, zu unterscheiden, zu gruppiren, sich unbewußt des Gesetzes in den Erscheinungen zu bemächtigen und es für seine eigene Thätigkeit anzuwenden. Es lernt selbst sehen, hören und fühlen, d. h. nicht nur Formen und Farben unterscheiden, sondern auch Größen und Entfernungen durch das Gesetz der Erfahrung messen, Töne und Stimmen zu Kennzeichen der Gegenstände und Personen erheben, von denen sie ausgehen, Melodien auffassen und wiedergeben und aus der Fülle der Sprachgebilde, die an sein Ohr klingen, das Gesetz der Form- und Satzbildung sich aneignen