Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Volume
- 1862
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German
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14 Kind Eindrücke in sich aufnimmt, ja nicht auf dem Wege der Betrachtung, der reflektirenden Vermahnung, für die es kein Verständniß hat. Die Wirkung des Beispiels geht in diesem Lebensalter über Alles und auch die Erzählung nachahmenswerther Handlungen wird eine ähnliche Wirkung hervorbringen. Für das aber, was dem Kinde zu thun oder zu unterlassen geboten werden soll, muß das einfache Ge- und Verbot ausreichen, bei dem man sich vor Angabe der Gründe wohl zu hüten hat. Soweit der natürliche Sinn des Kindes nicht sein ausreichender Führer zur Beurtheilung von Recht und Unrecht ist, muß und wird ihm die elterliche Autorität vollkommen genügen, um ihm das, was es zu thun und zu meiden hat, als Thatfache einzuprägen, die es wie jede andere Anschauung als solche in sich aufnimmt und festhält. „Der Vater, die Mutter hat's erlaubt, hat's befohlen oder verboten" ist und soll das oberste und alleinige Gesetz seiner Sittlichkeit sein. In dieser Weise entwickelt sich seine Vorstellung und gestaltet sich sein Verhältniß zur Welt und zu seiner menschlichen Umgebung aus naturgemäßem Wege. Alles Gemachte, systematisch Geordnete, auf einen bestimmt aufgestellten Zweck Berechnete, wird zum Hemmniß und zur Trübung dieser freiesten, aus der Natur des Kindes unmittelbar entspringenden Entwickelung. Der Einfluß alles dessen, was die Verhältnisse in den unmittelbaren Anschauungskreis des Kindes bringen, wird freilich auf den Gang und auf die endlichen Resultate dieser Selbstbildung von wesentlichem Einfluß sein. Ob das Kind sich mehr in der freien Natur oder im Zimmer bewegt, ob die Natur ihm den Charakter einer großartigen Gebirgswelt oder einer einförmigen Ebene, die ewig wechselnde Bewegung des Meeres oder die Ruhe des Waldes vorführt; ob das Kind sich allein neben seinen Eltern oder im Kreise zahlreicher Geschwister sieht; ob seine Umgebung ihm das Bild des Schönen und Guten in höherem oder geringerem Maße vor die Seele führt — das Alles sind neben seiner innern Eigenthümlichkeit die bestimmenden Ursachen für die Richtung, welche diese Entwickelung im Leben des Kindes nimmt. Aber keine systematische Vorführung aller dem Kinde