Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Volume
- 1862
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
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12 lung der gesammten geistigen und sittlichen Kraft des Menschen zu ihrer Aufgabe hat; daß aber während dieser ganzen Epoche die Wirksamkeit für diese Bildung von der sogenannten praktischen Berufsthätigkeit nicht ganz erdrückt werden darf, sondern neben einer zweckmäßigen praktischen Bildung und Erziehung hergehen muß, wenn der Beruf nicht zu einer Ertödtung, sondern zur rechten Verwerthung der edelsten menschlichen Kräfte führen soll. Fragen wir uns nun nach der Aufgabe und nach den Anforderungen, welche die Erziehung an sich zu stellen hat, um den Zwecken und dem Entwickelungsgange der Natur in diesen verschiedenen Epochen des Jugendlebens zu entsprechen, so dürfte für das Kindesalter, etwa bis zum vollendeten siebenten Jahre, der oberste Grundsatz wohl unzweifelhaft darin bestehen, daß wir das wunderbare und fast unbegreifliche Erziehungs- und Bildungswerk, das die Natur selbst gerade während dieser Epoche vollzieht, so wenig als irgend möglich stören, d. h. dem Kinde nichts, oder möglichst wenig lehren, es möglichst wenig unterweisen, oder gar zu Tugenden anhalten, sondern es nur vor den Gefahren und Verirrungen, denen es in dieser Zeit ausgesetzt ist, durch Thaten und nicht durch Worte zu schützen suchen. Im Uebrigen aber sollen wir es ganz und gar seinem großen Lehrmeister, der Natur und ihren Eindrücken überlassen, wie das Kind sich absichts- und willenlos den Eindrücken der Außenwelt hingibt und sie mit einer Kraft, die ihm kein Erzieher der Welt beizubringen vermöchte, in sich aufnimntt und verarbeitet. — Man bedenke, ob es irgend einen Lehrmeister der Welt gibt, der das Kind auch nur annähernd mit gleicher Virtuosität, wie es die Natur, oder richtiger das Kind selbst an ver Hand der Natur vollbringt, sehen und hören, tasten und greifen, gehen und sprechen zu lehren vermöchte? Die Schnelligkeit und Sicherheit, mit welcher sich das Kind diese schwersten aller Kenntnisse und Fertigkeiten aneignet, sollte uns fürwahr ein beachtenswerther Fingerzeig sein, daß chie Natur in diesem Lebensalter unseres Beistandes nicht bedarf; ja daß wir ihr einen solchen zu leisten gar nicht im Stande