Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Volume
- 1862
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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6 eilung der sogenannten geistigen Bildung leidet. Und wie die Natur sich die Zeit nicht verkürzen läßt, deren sie zur Ausbildung der Sinne für die Wahrnehmung und Erfassung der Eindrücke von Außen, zur Kräftigung der Gliedmaßen für die freie Bewegung des Körpers und für die sichere Handhabung der Dinge, zur Ausbildung der Sprachwerkzeuge für die verständliche Kundgebung seines Empfindens und Wollens bedarf, so wird auch jeder Beginn mit einer von außen angeregten systematisch geordneten Geistesthätigkeit vor Vollendung dieses Naturprozesses nicht nur eine unnatürliche Unterbrechung und Verkürzung desselben herbeiführen, sondern es wird auch die mangelhafte und unzureichende Entwickelung dieser körperlichen Organe, deren der Geist für seine Thätigkeit bedarf, diese Thätigkeit für alle Zeit seines Lebens zu einer unvollkommenen und für die Zwecke des Lebens ungenügenden machen. — Es ist eine Thatsache, die jeder sorgsame und verständige Beobachter der Jugend wahrnehmen kann, daß Kinder, die man in so frühem Lebensalter der Schule anvertraut, häufig noch nicht recht sehen und hören und vor Allem nicht sprechen können. Es werden diese aber auch nur sehr schwer dazu gelangen es in der Weise zu lernen, wie es für die Erfordernisse einer entwickelten Geistesthätigkeit und für die Aufgaben des Lebens durchaus nothwendig ist, wenn sie nicht für alles Erkennen immer wieder das Auge und Ohr eines Andern bedürfen, für den Ausdruck ihrer Empfindungen und Gedanken, ihrer Wünsche und Willensmeinungen in ewiger Unsicherheit und Unklarheit verharren und in all ihrem Thun eine hemmende und drückende Unbeholfenheit durchs ganze Leben tragen sollen. Es findet daher zwischen Physiologen und Psychologen, zwischen den Beobachtern und Kennern des Geisteswie des Körperlebens eine volle Uebereinstimmung darüber statt, daß die Natur in dieser Entwickelung der verschiedenen menschlichen Kräfte eine gewisse Stufenfolge innehält, vermöge deren beide Gebiete des menschlichen Daseins in stetem Zusammenklang ihrer Bedürfnisse und ihrer Kräfte erhalten werden. Diese aber muß von den Erziehern und Bildnern der Jugend wohl beachtet und gewürdigt werden,