Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Volume
- 1861
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 47 (sequence 51)
- Language
- German
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47 verliehen hat. Der Kollege aber und der Mensch war uns werth und theuer, weil er durch die Gediegenheit seines Characters und durch die Humanität seines Wesens, durch die Gewissenhaftigkeit seines Wirkens und durch die Reinheit seiner Gesinnung uns eine Hochachtung abnöthigte, die keineswegs dem berühmten Schriftsteller galt und uns vielmehr oft denselben vergessen ließ, wenn wir dem würdigen Kollegen unsre Verehrung zollten. Jost war der Sohn sehr armer Eltern und in Bernburg 1793 geboren. Seine Jugend war eine sehr traurige; von seinem sechsten Jahre an Führer seines erblindeten Vaters, ward er im zehnten vaterlos. In dem Waisenhause zu Wolffenbüttel anfangs durch einen unwissenden Polen ausschließlich für Talmudstudien, dann durch den würdigen Ehrenberg für allgemeines Wissen gebildet, trat er zu 16 Jahren ins Gymnasium, zu 20 in die Universitätsstudien zu Göttingen ein und übernahm zu 23 Jahren in Berlin bereits die Leitung einer ansehnlichen Schulanstalt, die er bis 1835 beibehielt und sie alsdann dem Unterzeichneten übertrug, um in seine hiesige Thätigkeit einzutreten, die er bis zu seinem Tode fortsetzte. Seine pädagogische Thätigkeit bildete für ihn während der 45 Jahre, in welchen er derselben oblag, den Mittelpunkt seines Lebens; und wie groß auch die öffentliche Anerkennung war, die ihm seine gelehrte und schriftstellerische Wirksamkeit verschaffte, so hat er selbst doch niemals aufgehört sie als eine Nebenbeschäftigung zu betrachten, die er sich nur in so weit gestattete, als ihm dadurch die gewissenhafteste Erfüllung seiner Pflichten gegen die Schule nicht beeinträchtigt schien. Und in der That hat der Mann von so umfassender literarischer Thätigkeit niemals, wenn nicht ernstes Unwohlsein ihn verhinderte, eine Unterrichtsstunde ausgesetzt, eine Vorbereitung oder Korrektur verabsäumt, sich einer Konferenz oder einem außerordentlichen Auftrag für die Interessen der Schule entzogen. Eben so wenig hat es ihm jemals geschienen, als ob diese seine Lehrtätigkeit dem wissenschaftlichen Standpunkt nicht entspräche, den er als Gelehrter einnahm, und es ist uns nicht bekannt geworden, daß er irgendwie nach einem Lehrstuhl an einer Universität oder einer anderen höheren Lehranstalt gestrebt hätte, für die er unzweifelhaft die vollkommene Befähigung besaß. Sein