Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Volume
- 1861
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 38 (sequence 42)
- Language
- German
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38 dem anmaßenden Widerstande nicht nachgab und im härtesten Kampfe nicht ermüdete; denn er wog nicht Kraft und Willen, nicht Forderung und Berechtigung, nicht Vortheil und Nachtheil berechnend gegeneinander ab, sondern folgte unbeirrt dem Wege der ihn zum sicher erfaßten Ziele führen mußte, und in ihm ward die angeborne Farbe der Entschließung nimmermehr von des Gedankens Bläffe angekränkelt. Das ist die ewig jugendliche Frische und Elasticität seines Geistes, der sich im steten Gleichgewicht des Empfangens und des Gebens hielt, der im Lehren nimmer ermüdete weil er zu lernen nimmer aufhörte und der seine Aufgabe des Wirkens nimmer für gelöst hielt, weil ihm das Ziel seines Wissens nimmer erreicht schien. Das endlich ist das Geist- und Herzgewinnende seiner Persönlichkeit, daß er immer und überall sich ganz gab wie er war, ohne in dem was er gab sich selbst geben zu wollen; daß er jedem gern gab was er hatte und immer von jedem gern und freudig annahm was er ihm darbot. Das ist aber auch die Tugend, die man wohl als die Formlosigkeit seines Wesens bezeichnet, daß er in der Unmittelbarkeit, mit der er jederzeit den Moment in seiner ganzen Eigenthümlichkeit erfaßte, sich nicht von Prinzipien und Theorien beirren, nicht von Formalitäten und Autoritäten einengen ließ, diesen Moment zu ergreifen und zu verwerthen, wie es das Bedürfniß desselben erforderte. Er war eben eine ganze Persönlichkeit, wie sie nur zu selten gesunden werden; und wer diese in ihrer Totalität nicht zu erfassen vermag, wird von ihren einzelnen Erscheinungen leicht beirrt werden. Mir steht sein Bild vor der Seele als das eines ganzen Mannes im vollen Sinne dieses Wortes; und wie ich es ernstlich versuche es ganz und voll in mich aufzunehmen, so hoffe ich auch, daß es mir gelingen könne, mich von dem Geist durchdringen zu lassen, in den: er gewirkt und den er seinen Schöpfungen eingehaucht hat. Und wenn ich auch nicht dahin streben kann und darf, derselbe sein zu wollen der er war, so möchte ich doch gleich ihm das was ich sein kann mit ganzer und ungeteilter Kraft zu sein versuchen, um dem hohen Beruf zu entsprechen, den das Vertrauen dieser Gemeinde in meine Hand gelegt und den ich