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Einladungsschrift zu der am stattfindenden öffentlichen Prüfung der Volks- und Realschule der Israelitischen Gemeinde · 1860-01-01 · 1860 · p. Seite 41

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Journal
Einladungsschrift zu der am stattfindenden öffentlichen Prüfung der Volks- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
Volume
1860
Date
1860-01-01
Page
Seite 41 (sequence 45)
Language
German
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IRI
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41 nächste, nothivendig mit ihr verbundene Gefühl, das Verlangen nach Schutz und Rettung. Furcht ist ein selbstisches Gefühl , das niemals die Quelle sittlichen Thuns sein kann, wenn es auch häufig zum Beweggrund für sittliche Handlungen oder für die Unterlassung unsittlicher gemacht werden kann. Denn das Motiv zu diesen Handlungen, liegt dann außerhalb dessen, der sie vollbringt. Der größte Fortschritt der Menschheit zur Sittlichkeit ist der Uebergang von der Religion der Furcht, zur Religion der Ehrfurcht (vom Heidenthum zum Judenthum), d. h. von der Furcht vor dem Inhaber aller Macht, zur Ehrfurcht gegen den Inbegriff aller Vollkommenheit. Ehrfurcht ist nicht selbstischen Ursprungs, sondern der reinste Ausdruck der Hochachtung, die uns ein Anderer einflößt und das unwillkürliche oder bewußte Zurücktreten unserer selbst und unserer Bedeutung, im Hinblick auf denjenigen, den wir ehrfürchten. Demjenigen gegenüber, den wir fürchten, können wir eine Vorstellung der Feindseligkeit gegen uns nicht unterdrücken, wie sich eine solche selbst in der griechischen Idee vom Fatum und von den: Verhältniß der Götter zu den Menschen zu erkennen gibt. Wen wir aber ehrfürchten, der kann uns niemals die Besorgniß einer von ihm ausgehenden Gefahr für uns einflößen. Es können in unserm Herzen möglicherweise beide Gefühle für dieselbe Person mit einander wechseln; aber gewiß ist, daß der Moment der Furcht für die Ehrfurcht keinen Raum läßt und das Gefühl der Ehrfurcht, jede Regung der Furcht zum Schweigen bringt. Ehrfurcht wehrt ber Lüge, indem sie uns gebietet, die Menschenwürde, die wir in einem Anderen ehren, auch in uns nicht zu beflecken; Furcht erzeugt die Lüge, indem sie unsere ganze Geistes- und Willenskraft auf den Schutz unserer selbst, gegen die drohende Gefahr hinlenkt. Das .And, das sich fürchtet, versteckt sich; es greift nach jedem

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