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Einladungsschrift zu der am stattfindenden öffentlichen Prüfung der Volks- und Realschule der Israelitischen Gemeinde · 1860-01-01 · 1860 · p. Seite 40

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Journal
Einladungsschrift zu der am stattfindenden öffentlichen Prüfung der Volks- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
Volume
1860
Date
1860-01-01
Page
Seite 40 (sequence 44)
Language
German
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IRI
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40 fangene Wahrhaftigkeit des Kindes hervorruft und in der That auch leicht zur Unwahrheit verleitet. Denn, wie der Wahn allgemein verbreitet ist, daß in gewissen Fällen nur der Schwur und die Anrufung Gottes zur strengen Wahrhaftigkeit verpflichten, die Lüge aber etwas ganz anderes sei als der Meineid, so gewöhnt sich das Kind nur zu leicht an die Vorstellung, daß die Unwahrheit weniger sträflich oder wohl gar erlaubt sei, sobald es sich nur jener Betheuerungen und Schwüre enthalte, die es als nothwendiges Siegel der Wahrheit anzusehen gewohnt ist. Und, so gewiß es ist, daß durch die vielfache Anwendung des Eidschwurs vor dem Richter das einfache Ja und Nein an Werth und Bedeutung in den Augen der Menschen verloren hat, so gewiß wird in dem Kinde die Kraft der Wahrhaftigkeit geschwächt werden, wenn man ihm frühzeitig gestattet, seinen Aussagen und Versprechungen jene Formen der Betheurung oder gar der Beeidigung hinzuzufügen, zu denen das Kind sehr geneigt ist, oder wenn man gar von dem Kinde dieselben fordert, um ihm Glauben zu schenken. 5. Die Quelle der Lüge ist die Furcht, die Wirkung derseben ist das Mißtrauen. Wer seine Kinder vor der Lüge schützen will, der halte die Furcht von ihrem Herzen fern und lehre sie den Werth und die Heiligkeit des Vertrauens schätzen. Wir dürfen diesen Satz vielleicht als den wichtigsten für unsere Aufgabe betrachten, obgleich wir fürchten, den meisten Widerspruch gegen denselben zu finden. Furcht und Ehrfurcht sind sprachverwandte Worte, aber keine sinnverwandte Begriffe, am wenigsten pädagogisch zusammenstimmende Erziehungsmittel. Furcht ist das Gefühl von einer dem Fürchtenden drohenden Gefahr, gleichviel von welchem Gegenstände, oder von welcher Person sie ausgehe; und daher ist das

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