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Einladungsschrift zu der am stattfindenden öffentlichen Prüfung der Volks- und Realschule der Israelitischen Gemeinde · 1860-01-01 · 1860 · p. Seite 39

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Journal
Einladungsschrift zu der am stattfindenden öffentlichen Prüfung der Volks- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
Volume
1860
Date
1860-01-01
Page
Seite 39 (sequence 43)
Language
German
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IRI
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39 wissenhafte verspricht Nichts, was er nicht zu Hallen entschlossen und im Stande ist. Der Zuverlässige betrachtet das gegebene Wort als eine Verpfändung seiner Ehre für die Lösung desselben. Wer die bindende Kraft seines Wortes aber auch noch fühlt, nachdem er es längst gesprochen, und dessen Bewahrheitung als eine Ehrenpflicht erkennt, durch deren Verletzung er sich vor sich selbst herabsetzt, der wird gewiß auch die Heiligkeit des Wortes achten, indem er es ausspricht und es als Ehrenpflicht betrachten, das Vertrauen auf dasselbe nicht zu verscherzen. Zuverlässigkeit ist von der Wahrhaftigkeit unzertrennlich. Sie bekundet aber zugleich die Festigkeit des Charakters und des Willens, im Dienst der Wahrheit jedes Hinderniß zu überwinden, das der Erfüllung ihrer Forderungen entgegensteht. Die Gewöhnung zur Wahrhaftigkeit wird daher in der Regel zur Zuverlässigkeit führen, wie die Gewöhnung an diese, sicher die Wahrhaftigkeit in sich schließt. Frühzeitiges Anhalten zur gewissenhaften Erfüllung des gegebenen Wortes, wird daher ein treffliches Schutzmittel gegen Lüge und Unwahrheit sein. Man wird auf diesem Wege auch am besten das rechte Ehrgefühl pflegen, das eine kräftige Stütze der Wahrhaftigkeit bildet, indem das Kind in dem Wortbruch noch sicherer die Verletzung der Würde und Ehre empfindet, als in der Unwahrheit. Dieses Halten auf seine eigene Ehre und auf die Ehre seines Wortes, wird sich auch in der Einfachheit seiner Aussagen und seiner Versicherungen kund geben, indem es sich flir berechtigt hält, für sein „Ja und Nein" das volle Vertrauen zu fordern, ohne daß es weiterer Betheuerungen von seiner Seite bedarf. Wir fügen dem die allgemeine Bemerkung hinzu, daß die Gewöhnung des Kindes an das einfache Ja und Nein, selbst schon ein Erziehungsmittel zur Wahrhaftigkeit ist, während die Gewohnheit der dringenden Betheurungen, oder gar des häufigen Schwörens gerechtes Mißtrauen in die unbe-

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