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Einladungsschrift zu der am stattfindenden öffentlichen Prüfung der Volks- und Realschule der Israelitischen Gemeinde · 1860-01-01 · 1860 · p. Seite 37

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Journal
Einladungsschrift zu der am stattfindenden öffentlichen Prüfung der Volks- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
Volume
1860
Date
1860-01-01
Page
Seite 37 (sequence 41)
Language
German
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IRI
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37 Offenheit trägt das Gepräge der Wahrhaftigkeit an der Stirne und weckt zuversichtliches Vertrauen. Verschlossenheit fordert zur Vorsicht auf und Heimlichkeit erregt Mißtrauen. Offenheit ziemt vor Allem dem Kinde. Es wird Nichts zu verbergen, zu verheimlichen haben, wenn es sich feinen kindlichen Sinn bewahrt hat. Der Mann soll zur rechten Zeit zu schweigen und ein Geheimniß zu bewahren wissen. Das Kind soll nur aus Ehrfurcht schweigen und kein Geheimniß haben. Das Mädchen soll seiner Gefühle Meister sein, daß es nicht von ihnen verrathen werde; aber züchtige Verschämtheit ist mit kindlicher Offenheit wohl verträglich, und dreiste Keckheit ist derselben keineswegs gleichbedeutend. Schüchternheit und Blödigkeit entstehen m der Regel aus der Furcht zu mißfallen oder einen Anstoß zu geben und können eben so gut aus Eitelkeit, wie aus Bescheidenheit entspringen. Offenheit aber ist die natürliche Unbefangenheit des Gemüths, die durch keine verwirrende Nebenempfindung (der Furcht, des mangelnden Selbstvertrauens oder des bösen Gewissens), getrübt ist. Sie ist absichtslos und selbstlos, da sie sich ohne alle Reflexion gibt, wie sie ist, also die Wahrheit in ihrer unmittelbaren Erscheinung. Das Kind, das an ein bescheidenes, aber offenes Benehmen gegen Jedermann, und insbesondere gegen seine Eltern und Erzieher gewöhnt ist, trägt daher den Schutz gegen Lügenhaftigkeit in sich, und es wird der offene Blick des Kindes auch jederzeit ein sprechendes Zeugniß seiner Wahrhaftigkeit sein. Die Geradheit ist der Offenheit sehr nahe verwandt. Diese ist die Schlichtheit und Unbefangenheit im Sprechen, jene im Thun, das nicht durch Nebenzwecke und Nebenrücksichten von seinem Wege abgelenkt wird, nicht auf Neben- und Umwegen zu seinem Ziel gelangen will. Ein Kind, das, statt seinen Vater um etwas zu bitten, es dahin zu bringen sucht, daß es ihm von diesem angeboten wird, das sich nach

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