Einladungsschrift zu der am stattfindenden öffentlichen Prüfung der Volks- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der am stattfindenden öffentlichen Prüfung der Volks- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
- Volume
- 1860
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 34 (sequence 38)
- Language
- German
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34 locken möchte, beim rechten Namen zu nennen und läßt uns das Erröthen fühlen, mit dem die Schaanr, schorl beim Gedanken an dieselbe, unser Angesicht bedeckt. Sie treibt uns von der Bahn, die uns die Verführung eröffnen will, durch den Gedanken an die Entdeckung und ihre Folgen hinweg, vor denen wir uns, so lange wir ihre Herrschaft anerkennen, durch keine Täuschung und Verheimlichung zu retten vermögen. Und wie sie uns vor der That, durch den Gedanken an ihre unvermeidlichen Folgen schützt, so rettet sie uns auch vor der sittlichen Verderblichkeit dieser Folgen, wenn dennoch Leidenschaft oder Leichtsinn uns zum Unrecht getrieben haben. Denn nun ist es wieder das erwachende Schaamgefühl der Wahrhaftigkeit, das die Selbstanklage hervorruft, die Entdeckung beschleunigt, und durch die Macht des Bekenntnisses und der willig erduldeten Strafe, eine entsühnende und läuternde Kraft auf das belastete Gemüth ausübt. Wie schön ist das Bild dieser Schaam der Wahrhaftigkeit, neben dem Bilde der verhärteten und frechen Lügenahstigkeit. Wie schwindet vor dem innern und äußern Richter der Flecken und die Last der Schuld durch das Wort des schmerzlichen Bekenntnisses, zu dem das Herz gewaltsam drängt, wie schwer sich auch die Zunge dazu entschließt; und wie wird die erduldete Pein zu einer neuen Festigung des schirmenden Panzers, mit dem uns die Wahrhaftigkeit gegen die Versuchungen der Sünde und der Leidenschaft deckt. — Wir können nach dem Obigen, als Ergebniß dieses Satzes hinzufügen: 3. Schaamhastigkeit und Ehrfurcht im kindlichen Gemüthe erhalten und pflegen, heißt es vor Lügenhaftigkeit wahren. Denn wenn wir nicht umhin konnten dem Schaamgefühl einen Antheil an der ersten Lüge zuzuschreiben, die nicht nur aus der Furcht vor der Strafe, sondern auch aus der erschreckenden Beschämung über das begangene Unrecht und über