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Einladungsschrift zu der am stattfindenden öffentlichen Prüfung der Volks- und Realschule der Israelitischen Gemeinde · 1860-01-01 · 1860 · p. Seite 22

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Journal
Einladungsschrift zu der am stattfindenden öffentlichen Prüfung der Volks- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
Volume
1860
Date
1860-01-01
Page
Seite 22 (sequence 26)
Language
German
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IRI
…/9643705-7658027--27-7658051
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22 fraulichen Keuschheit durch Trübung und Verkümmerung Beider strafen würde. — Wer will aber auch dem kindlichen Gemüth die strenge Unterscheidung zwischen den verschiedenen Zwecken der Lüge zumuthen, wenn es einmal für seine Unwahrheit mit einem heitern Lächeln belohnt wurde, und wenn es die Lift, mit der es scherzend seinen Bruder oder gar seine Mutter täuschte, als einen Beweis seiner Klugheit und seiner Herrschaft über seine Zunge und Miene bewundert, oder wenn es gar den Vater und die Mutter selbst, die ihm als das Vorbild aller sittlichen Vollkommenheit erscheinen sollen, an dem Gelingen einer scherzhaften Unwahrheit sich erfteuen sah? Die Wahrhaftigkeit ist eine viel zu ernste Pflicht, um ihre Würde dem flüchtigen Vergnügen an einem heitern Scherz preis zu geben. Das Kind, das mit der Wahrhaftigkeit scherzen gelernt hat, wird sich auch bald seine Vergehungen gegen den Gehorsam oder gegen andere Pflichten, als einen harmlosen Scherz verzeihen und sich für dieselben durch einen Scherz entschuldigen wollen. Die Heiterkeit des kindlichen Gemüths ist nur schön, wenn sie der wahrhafte und natürliche Ausdruck seines Empflndens ist, und die Unnatur bahnt sich allzuleicht den Weg in seine Entwickelung, wenn es sich nur einmal gewöhnt hat, den Schein an die Stelle der Wirklichkeit zu setzen. Eben so augenscheinlich sind die verderblichen Folgen der Unwahrheit, von welcher Vorgänge der Wirklichkeit mit übertriebenen Farben wiedergegeben und mit willkührlichen Zusätzen ausgeschmückt werden. Wir sprechen nicht davon, daß dadurch in den: Kinde frühzeitig eine Neigung für das Außerordentliche geweckt und die Theilnahme für die einfache Wirklichkeit geschwächt wird. Aber wir erkennen in dieser Gewöhnung weniger den Weg zu der Lügenhaftigkeit die auf eine absichtliche Täuschung Anderer gerichtet ist, als denjenigen, der zu einer fortgesetzten Selbsttäuschung führt und

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