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Einladungsschrift zu der am stattfindenden öffentlichen Prüfung der Volks- und Realschule der Israelitischen Gemeinde · 1860-01-01 · 1860 · p. Seite 15

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Journal
Einladungsschrift zu der am stattfindenden öffentlichen Prüfung der Volks- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
Volume
1860
Date
1860-01-01
Page
Seite 15 (sequence 19)
Language
German
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IRI
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15 Täuschung Anderer auch den Versuch der Selbsttäuschung verbindet, die das bleibendste Hinderniß der Selbstbesserung ist. Das letztere Motiv macht sich besonders dann geltend, wenn eine unerwartete Ueberraschung auf frischer That eintritt und der Schrecken seine lähmende Kraft nicht nur auf die Ueberlegung, sondern auch — auf das Gewissen des Kindes ausübt, da die ganze Willens- und Denkkraft desselben im Moment dieses Schreckens von deni Trieb der Selbfterhaltung absorbirt wird, der es blindlings nach der Waffe der Vertheidigung greifen läßt, die sich feinem verwirrten Geiste im Augenblick darbietet. Wir müssen gestehen, daß wir vor dieser ersten Lüge des Kindes wie vor einem ungelösten psychologischen Räthsel stehen. Denn jeder Beobachter des kindlichen Lebens wird die Thatsache zugeben müssen, daß sie nicht selten aus dem Herzen des unschuldigsten Kindes entspringt, das sich ihrer wie einer ihm von der Natur verliehenen Waffe bedient, während wir doch andererseits nachzuweisen versuchten, daß die Häßlichkeit der Lüge gerade in ihrem offenbaren Widerspruch gegen das angeborne Gesetz der Natur begründet ist. Eine andere Frage wäre es, ob das Kind, das in dieser Weise zur ersten Lüge gekommen ist, sich derselben in eben der Weise als einer Schuld, eines Vergehens, bewußt wird, wie dies offenbar bei dem Vergehen der Fall war, zu dessen Verheimlichung es zur Lüge gegriffen hat, oder ob mit dieser fast instinktiven Selbstvertheidigung so wenig Bewußtsein verbunden ist, daß es im Gemüthe des Kindes auch nicht zum Bewußtsein eines damit begangenen Unrechts kommen kann. Wir glaubten an diesen etwas sein zugespitzten psychologischen Fragen nicht vorübergehen zu dürfen, weil nur von ihrem Verständniß und von ihrer richtigen Beantwortung die pädagogische Behandlung der Lüge und des Hanges zur Lügenhaftigkeit den rechten Ausgangspunkt gewinnen kann.

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