Einladungsschrift zu der am stattfindenden öffentlichen Prüfung der Volks- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der am stattfindenden öffentlichen Prüfung der Volks- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
- Volume
- 1860
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 13)
- Language
- German
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und Zerstörung dieses Vertrauens begründet, das die alleinige Grundlage alles sittlichen Verkehrs zwischen den Menschen ist. Die Lüge ist verderblich für den Lügner, der sich des ihm gewährten Vertrauens beraubt, für den Belogenen, dessen Vertrauen sie erschüttert und dadurch auch für einen unschuldigen Dritten, dem sie unverdient das ihm gebührende Vertrauen entzieht. Sie ist für den Lügner wie für den Belogenen verderblich, wenn die beabsichtigte Täuschung gelingt und wenn sie entdeckt wird. Wir wollen daher diese Wirkung der Lüge in ihren verschiedenen Richtungen nebeneinander stellen. Die sichtlichste Wirkung der gelungenen Lüge ist die Täuschung des Belogenen. Sie versetzt ihn zunächst in einen Jrrthum, dessen weitere Wirkungen Niemand zu berechnen vermag. Sie verdunkelt seinen Geist, trübt seinen Sinn und verwirrt sein Thun; sie muß ihn nothwendig zu unzweckmäßigen, oder gar Unrechten Handlungen führen. Noch tiefer greifend aber ist die Wirkung dieser Lüge auf den Lügner. Denn auch er befindet sich durch dieselbe in einem trügerischen Jrrthum, der auch seinen Geist verdunkelt, seine Sinne trübt und sein Thun verwirrt, und auch er besonders wird durch ihr vermeintliches Gelingen zu unzweckmäßigen und Unrechten Handlungen verleitet werden. Er wähnt sich durch dieselbe einen Vortheil verschafft, sich von einem Uebel befreit, eine Schuld straflos gemacht zu haben. Er irrt; denn die Entdeckung wird nicht ausbleiben. Aber so lange er in diesem Jrrthum befangen ist, glaubt er in der Lüge eine Macht zu besitzen, die diese befreiende Wirkung ausübt. Mit der Besorgniß vor der Gefahr, mit der ihn das entdeckte Unrecht bedrohte, verschwindet die Scheu vor dem Unrecht selbst. Er betritt den Weg desselben unter dem vermeintlichen Schutz der vorbedachten Lüge, die ihm zuvor vielleicht nur die Furcht vor der unerwartet drohenden Entdeckung eines leichtfertig