Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Volume
- 1859
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 34 (sequence 38)
- Language
- German
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34 sie den eigenen Werth nur nach der Schätzung messen darf, die sie sich bei Andern erwirbt. Die schöne weibliche Schüchternheit ist nur die Gegenseite von dem Wunsch zu gefallen, nämlich die Furcht zu mißfallen. Eitelkeit und Gefallsucht sind nur darum so gefährliche und häßliche Fehler, weil ihnen eben diese andere Seite fehlt und damit das edle Maaß, das sie vor einseitiger Entartung und häßlicher Verirrung schützt. Der Fehler ist um so häßlicher und unweiblicher, je mei)1’ der Wunsch und das Verlangen zu gefallen durch äußere Mittel nach Befriedigung strebt, durch Schönheit und äußeren Schmuck zu glänzen, durch Koketterie zu gewinnen und zu fesseln sucht. Denn mit dieser Veräußerlichung des weiblichen Wesens geht nicht selten auch die züchtige Innerlichkeit desselben ganz verloren. Die Heilung von dieser Leidenschaft ist schwer, wenn sie schon Boden und Wurzel gefaßt hat, eben weil sie so tief in der weiblichen Natur begründet ist; es sei denn, daß sie in ächt weiblicher Liebe und Treue gegen einen Gatten von selbst erstirbt; denn das Verlangen Allen zu gefallen, muß erlöschen, sobald, das weibliche Gemüth in dem Wohlgefallen eines Einzigen seine volle Befriedigung findet. — Die Wahrung der weiblichen Jugend vor dem Entstehen dieses Uebels wird wohl am besten dadurch erzielt werden, daß man das Mädchen den unverständigen und nicht selten auch unwahren Beifallsbezeugungen Anderer entzieht, und sie daran gewöhnt, die eigene Befriedigung nur aus der Zufriedenheit von Vater und Mutter, von Lehrern und Erziehern, d. h. von Personen zu schöpfen, deren Beifall ihr zugleich das Zeuguiß ihrer Würdigkeit sein darf. Den ersten Versuchen Gefallen zu erwecken und die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, wird man nur die konsequente Nichtbeachtung entgegenzusetzen haben, die mit der Beschämung über die Vergeblichkeit des gemachten Versuchs auch das Gefühl seiner Unwürdigkeit erweckt,