Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Volume
- 1859
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 35 (sequence 39)
- Language
- German
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- [35 - und dadurch am besten die Heilung von der erwachenden Leidenschaft herbeiführt. Aehnlichen Ursprungs wie die Gefallsucht, aber weniger unedel ist die weibliche Empfindlichkeit, die leidenschaftliche Verletztheit über ein mißfälliges Urtheil oder auch schon über fühlbares Nichtgefalleu und Nichtbeachten. Es ist nicht zu verkennen, daß dieser Fehler gar leicht zu manchen ernsten Trübungen des Lebens führt. Aber man hüte sich, mit rauher Härte gegen denselben anzukämpfen, denn er ist zu nahe verwandt mit der zarten Empfindungsfähigkeit des weiblichen Ehrgefühls, um ohne Gefahr gewaltsam unterdrückt zu werden. Auch hier wird ein ruhiges Sichnichtirremachenlassen mehr wirken, als jede Art von heftiger Reaktion gegen die Aeußerungen dieses Fehlers. Auch Mangel an Wahrheitsliebe und anWahrhaftigkeit werden nicht ohne Grund als spezifische Fehler des weiblichen Geschlechts bezeichnet. Wir müssen jedoch zwischen Beiden sorgfältig unterscheiden; denn jene ist die Wahrheit gegen Andere, diese die Wahrheit gegen sich selbst, jene die Uebereinstimmung dessen, was man spricht, mit dem, was man denkt, diese die Uebereinstimmung dessen, was man thut und scheint, mit dem, was man fühlt. Den Mangel an Wahrheitsliebe möchten beide Geschlechter in gleichem Maße miteinander theilen. Das Uebergewicht des weiblichen Antheils über den männlichen möchte nur einerseits aus einer stärkeren Einwirkung der Phantasie auf die Erinnerung und andererseits aus der dem schwächeren Geschlecht sich häufiger aufdrängenden Nöthigung zu erklären sein, zu den Waffen der List zu greifen, wo jene sich von dem Bewußtsein der Kraft getragen fühlen. — Kräftigung der Anschauung und Zügelung der Phantasie, Schonung der weiblichen Schwäche und Festigung der weiblichen Würde werden daher hier neben den allgemeinen Heilmitteln gegen Unwahrheit noch beson- 3* >