Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Volume
- 1859
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 32 (sequence 36)
- Language
- German
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32 stammen alle aus demselben Quell, der in der Eigenthümlichkeit des weiblichen Naturells begründet und daher auch der Quell der höchsten weiblichen Tugenden ist. Dieser ist das Gefühl der Schwäche, der Unselbstständigkeit und der" Abhängigkeit, das in seiner natürlichen Entfaltung zum hingebenden Anschließen des weiblichen Geschlechts an eine höhere Kraft und Autorität führt, das aber sich zu jenen Fehlern des weiblichen Charakters gestaltet, sobald es mit dem jedem Menschen innewohnenden Selbstgefühl in Conflict geräth. — Wer verschiedene Charaktere zu beobachten Gelegenheit gehabt hat, wird mit mir die Ueberzeugung theilen, daß die eben bezeichneten Fehler in der Regel nicht bei starken, sondern nur bei schwachen Charakteren Vorkommen. Sie sind der Versuch und das Bestreben, das Gefühl der eigenen Schwäche vor sich selbst und vor Andern zu bergen. Sie stammen inr weiblichen Charakter aus einem Widerstreben gegen die fühlbare Forderung der Natur, die das Weib zur Abhängigkeit, zur Unterordnung unter eine höhere Autorität bestimmt hat. Es ist daher gerade die edle Weiblichkeit, die durch dieselben bedroht und verkümmert wird. Für die Heilung von diesen Fehlern dürfte es daher als das geeignetste Mittel erscheinen, das Gefühl der natürlichen Schwäche und Abhängigkeit durch das Gegenbild einer ruhigen und festen Konsequenz zu wecken, an welcher Trotz, Eigensinn, Streitsucht und Widerspruchsgeist vergeblich abprallen. Heftigkeit reizt, Ruhe dämpft die Leidenschaft. Der Knabe lernt sich leichter dem Gesetz, das Mädchen dem starken und festen Willen unterordnen. Der Knabe beugt sich vor der allgemeinen NothWendigkeit, das Mädchen vor der moralischen Macht des Individuums. Für den Knaben muß die Unterordnung unter das Gesetz zur Uebung in der Kraft der Selbstbeherrschung, für das Mädchen die Unterwerfung unter einen stärkern Willen zur Erweckung ihres natürlichen Abhängigkeitsgefühls führen. Man darf gegen Mädchen sich jederzeit milde, niemals