Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Volume
- 1859
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 31 (sequence 35)
- Language
- German
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31 den Antheil an der Wirksamkeit leisten, die naturgemäß dem Hause zusteht, aber nach Maßgabe der bestehenden Verhältnisse nicht selten von demselben verfehlt wird. 5. Wie ist den weiblichen Schwächen und Charakterfehlern zu begegnen? Ich halte an dem Gedanken, als an dem obersten Grundsatz der Ethik fest, daß alle menschlichen Schwächen, Fehler und Laster ihrem Ursprung nach nichts anderes sind, als unvollkommene, einseitige und irregeleitete Naturanlagen und Tugenden. Wenn dieser Grundsatz vielleicht vor dem Forum der Philosophie Widerspruch findet, so wird seine Anerkennung gewiß der praktischen Humanität und der praktischen Pädagogik zum Vortheil gereichen, wenn man Verirrungen und Fehler nicht hart verdammen und schonungslos ausrotten will, sondern nach ihren natürlichen und sittlichen Quellen und nach dem Punkte sucht, wo sie den Weg derselben verlassen haben; denn man wird milder im Urtheil und vorsorglicher in der Wghl der Mittel sein, die vorhandenen Nebel durch Beseitigung der Ursachen zu heilen, aus denen sie entstammen. Ich will's daher versuchen, für die vornehmlich dem weiblichen Geschlecht anhaftenden Schwächen und Fehler den Zusammenhang mit den besondern Tugenden und Naturanlagen des weiblichen Geschlechts aufzufinden, damit wir von hier aus den Weg zu deren Heilung und Beseitigung zu finden vermögen. Im Allgemeinen dürfte man hier den Satz aufstellen: die Aneignung weiblicher Tugenden ist durch das Vorbild, die Befreiung von weiblichen Untugenden durch das Gegenbild zu erreichen. Jene werden daher vornehmlich von der Mutter geweckt und gepflegt, diese am sichersten von dem Vater geheilt. Widerspruchsgeist, Streitsucht, Trotz und Eigensinn werden allgemein als Charakterfehler des weiblichen Geschlechts angesehen, und das mit Recht; denn sie ent-