Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Volume
- 1859
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 30 (sequence 34)
- Language
- German
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30 ruht, die gehaltene klare Stimme, mit der er zu ihr redet, der wohlwollende Ernst und die leidenschaftslose Festigkeit, womit er auf sie zu wirken sucht, üben eine unendlich größere Wirkung auf sie aus, als das, was er sie lehrt, und selbst als Inhalt und Form der Worte, mit denen er sie warnend oder mahnend anredet. Und wenn der Lehrer diese Wirkung auf seinen weiblichen Zögling ausüben will, so muß auch die Art seines Wirkens der weiblichen Empfänglichkeit entsprechen, d. h. sie muß nicht auf eine einzelne besondere Seelenkraft, auf den Verstand, das Gemüth, das Gedächtniß, sondern auf die ganze Person gerichtet sein: auf Auge und Ohr, auf Herz und Verstand zugleich. Er muß das Individuum in seiner ganzen menschlichen und weiblichen Persönlichkeit zu fassen suchen, aber auch sich selbst mit seiner ganzen Persönlichkeit seine Lehrthätigkeit hingeben. — Unter der Voraussetzung, daß die gesammte Wirksamkeit der Schule diese Richtung verfolgt, wird sie nicht nur ihre Sonderausgabe mit Leichtigkeit und Sicherheit lösen, sondern auch an der Erziehungsaufgabe des Hauses nach allen Seiten hin einer: bedeutsamen Antheil gewinnen, ja sie wird in: Stande sein, die nur zu oft von den Fehlgriffen des Hauses ausgehenden Mängel und Uebel der Erziehung, wenn nicht ganz zu beseitigen, so doch zu mildern und zu mindern. Der Gehorsam und die Ehrfurcht, die der Vater nicht durch eigene Autorität zu gewinnen vermochte, wird ihm vielleicht durch den vermittelnden Einstuß des Lehrers zu Theil werden; die Ordnung, für welche die Mutter weder Beispiel noch Anleitung zu geben wußte, wird aus der Schule ins Haus gepflanzt werden. Sitte und Anstand, die im Hause schonungslos verletzt wurden, schlagen dennoch in der Athmosphäre der Schule Wurzel und der Umgang mit Mitschülerinnen heilt die Uebel, die der Unrgang mit Geschwistern geschaffen hat. — Je weniger die Schule vermöge ihrer besonderen Aufgabe bedeuten will, um so mehr wird sie durch