Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Volume
- 1859
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 27 (sequence 31)
- Language
- German
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27 künftigen Gatten empfinden und denken, an seinem innern und äußern Leben Antheil nehmen, in seinen Verkehr eintreten, und die Kinder für die Gedanken- und Gefühlswelt vorbereiten kann, in die sie an der Hand der Eltern einzutreten bestimmt sind. Das Wissen, dessen das Weib bedarf, und das ist ja doch wohl die hervortretendste Frage, kann für keinen Stand grundsätzlich bestimmt werden. Die Aufgabe auf diesem Gebiet muß daher mehr darauf gerichtet sein, den Sinn dafür zu wecken und das Verständniß zu schärfen, als positives Wissen zu schaffen. Das Wissen des Weibes sollte vielseitiger sein, als das des Mannes, aber es kann auf keinem Gebiet Vollständigkeit angestrebt werden. Das Weib muß vielmehr auch auf diesem Gebiet in dem Gefühl der Abhängigkeit von der höheren Geisteskraft des Mannes erhalten werden, und daher im geistigen Verkehr mit Männern immer die Empfangende bleiben, niemals die Gebende sein wollen. Gelehrsamkeit und strenge Logik sollen vom Weibe nicht nur nicht gefordert, sondern ferngehalten werden. Sie soll die Schönheit in den Werken der Kunst und Poesie empfinden, aber nicht deduciren, nicht kritisiren. Sie soll Herz und Sinn für die Größe und Erhabenheit der Natur haben, die sich im Blüthenstaub wie in der Sternenwelt zeigt; aber man wird nicht die genaue Kenntniß botanischer Systeme und astronomischer Gesetze von ihr fordern dürfen. Sie soll die eigne, und, wo es der Umgang erfordert, die fremde Sprache richtig und wohlklingend sprechen, mit Sicherheit und Geschmack sich in derselben ausdrücken, ohne darum auch überall von den Gesetzen und Regeln derselben Rechenschaft geben zu müssen. Sie mag sich unter den großen Männern der Vergangenheit ihre Lieblinge und Ideale gewählt haben, an großen Ereignissen der Geschichte, an großen Völkern unb Zeitaltern ein besonderes Interesse nehmen, ohne daß wir