Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Volume
- 1859
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 26 (sequence 30)
- Language
- German
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26 3. Die verschiedenen Gebiete und Grenzen weiblicher Bildung. Die Anforderungen der weiblichen Bildung sind für Alle dieselben, soweit sie dazu bestimmt ist, die Aneignung der Tugenden zu fördern, welche eine Jede in der Uebung des weiblichen Berufs zu erfüllen hat. Für die Pflichten der Gattin, der Hausfrau, der Mutter gibt es ebensowenigeinen Unterschied der Stände, wie für die Pflichten der Tochter, der Schwester und der Jungfrau. Ihre Erfüllung fordert in allen Stellungen des Lebens dieselbe Bildung des Gemüths für zartes und lauteres Empfinden, dieselbe Entwickelung des Geistes für verständiges Anschauen und Denken, dieselbe Sicherheit des Wollens für weibliches Dienen und Herrschen. Weiblicher Anstand soll in der niedrigsten Hütte so wenig fehlen, wie im glänzenden Palast; weiblicher Takt hat vielleicht eine noch schwerere Aufgabe in den niederen Kreisen des Lebens zu erfüllen, als in den höchsten, und weibliche Anmuth gibt sich nicht minder in dem groben Kleide der Bäurin, wie in dem Prachtgewande der Fürstin zu erkennen. Die Verschiedenheit der bürgerlichen und gesellschaftlichen Stellung des Weibes kann nur insofern auf die Anforderungen ihre Bildung von Einfluß sein, als sie derselben für die Erhaltung einer allseitigen Lebensgemeinschaft mit dem Gatten, für die Vertretung des Hauses nach Außen und für die angemessene Erziehung der Kinder bedarf. Denn hier freilich sind die Forderungen des Lebens nach Stand und Rang, nach Amt und Beruf verschieden. Aber es wird uns sehr schwer sein, irgend ein positives Element der Bildung zu bezeichnen, welches hier als nothwendig, dort als überflüssig erscheint. Er kann überall nur das Maaß dessen, was erzielt werden soll, ein verschiedenes sein, während die Aufgabe selbst überall dieselbe ist. Denn jedes Weib soll an Gemüth und Geist so weit gebildet sein, daß sie mit dem