Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Volume
- 1859
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 9)
- Language
- German
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5 liche Handhabe ist, unl ihn zur Unabhängigkeit und zum rechten Gebrauch der Freiheit zu erziehen, für die er bestimmt ist, so ist die Unterordnung unter einen höheren Willen für das Mädchen eine Uebung in derjenigen Tugend, die sie während ihres ganzen Lebens zu üben nicht aufhören darf; denn Abhängigkeit ist ihre Bestimmung, in deren Schranken sie ihren gesammten Lebensberuf zu erfüllen frühzeitig lernen und sich üben soll. Wir können und sollen uns daher nicht damit begnügen, unsere Töchter in jedem einzelnen Fall zum Gehorsam gegen Vater und Mutter anzuhalten oder zu nöthigen, sondern unser Streben sei dahin gerichtet, ihnen die Tugend des Gehorsams anzueignen, d. h. ihr Herz mit dem Gefühl des Bedürfnisses nach einer leitenden und lenkenden Hand zu erfüllen; nach einer Kraft, der sie sich vertrauensvoll anschließen und freudig unterordnen. Wir dürfen sie darum aber auch die Pflicht des Gehorsams nicht als einen Druck und als eine Last empfinden lassen, die wir ihnen auferlegen, sondern als eine Befreiung von der Last der Selbstverantwortlichkeit, die sie nicht zu tragen vermögen, und nicht zu tragen bestimmt sind. Die mädchenhafte Schüchternheit, die jungfräuliche und weibliche Sittigkeit wird am sichersten und reinsten gewahrt werden, wenn im Herzen des Mädchens jederzeit das Gefühl des Schutzbedürfnisses wach erhalten wird, das sie vor jeder fremdartigen Berührung sich in sich selbst zurückziehen lehrt; wogegen zuversichtliches Selbstvertrauen zu dem unweiblichen Hervortreten und Sichgeltendmachen führt, das leider nicht selten als das Ziel einer guten Erziehung und als das sprechende Zeugniß einer ausreichenden Bildung angesehen wird. Wenn aber dieser Gehorsam seine höchste sittliche Weihe erhalten soll, so muß er mrt dem Gefühl der Ehrfurch t gegen Vater xtub Mutter verbunden sein, oder vielmehr in derselben seine reine und lautre Quelle finden. Ehrfurcht ist das er-