Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Volume
- 1859
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 10)
- Language
- German
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Habenste Gefühl, das wir empfinden und das wir einflößen können. Sie erhebt die kindliche Liebe zu den Eltern über die Sphäre des angeborenen Naturtriebs in die Region des sittlichen Empfindens, dessen nur der Mensch fähig ist; denn sie heiligt das menschliche Empfinden, indem sie das Bild dessen heiligt, gegen den sie empfunden wird. Die Ehrfurcht ist die Widerspiegelung unseres Verhältnisses zur Gottheit in unserm Verhältniß zu .Menschen, die Quelle und das Zeugniß wahrer Religiosität, möge die Ehrfurcht gegen Vater und Mutter ans der Ehrfurcht gegen Gott, oder diese aus jener stammen. Die Ehrfurcht läutert unser Herz und schützt es durch den Hinblick auf das Ideal, das wir von dem Gegenstände unserer Ehrfurcht in demselben tragen, vor jedem unlautern Empfinden, Denken und Wollen. — Wohl den Eltern, die sie (nicht ihren äußeren Schein) in ihren Kindern zu wecken, wohl den Kindern, die sie bis in die späteste Zeit gegen dieselben zu wahren wissen. Jene werden Gehorsam finden, ohne ihn zu fordern; diese werden sich anfgerichtet und nicht niedergebeugt fühlen, wenn sie ihn freudig und ungezwungen üben. Doch muß ich hinzufügen: die Ehrfurcht gegen Vater und Mutter ehrt und schmückt den Knaben, den Jüngling, den Mann fast noch mehr, als das Mädchen, die Jungfrau und das Weib. Denn in jenem ist sie das Zeugniß der freiesten Selbstbeherrschung, welche das wohlbegründete Recht einer vollen Unabhängigkeit der zärtlichen Rücksicht gegen Vater und Mutter opfert; in dieser ist sie nur das Produkt der ausharrenden Treue, mit der sie den kindlichen Sinn und das kindliche Fühlen auch in ihren reiferen Jahren bewahrt hat. Ehrfurcht fordern ist ein vergebliches, ich muß hinzufügen, ein verderbliches Bemühen, denn es kann nur dazu führen, Kinder zu Heuchlern gegen ihre Eltern und Erzieher zu machen, und sie an den Gedanken zu gewöhnen, daß man sich in der