Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Volume
- 1858
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/9643703-7657895--115-7657905- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
gegen seine andersglaubenden Mitmenschen in sein Herz pflanzen, die keine Belehrung späterer Jahre wieder verlöschen kann. — Aber wenn ihr auf der ersten Stufe der Erziehung alles vermeidet, was auf den Gegensatz der Bekenntnisse und der Religionsgemeinschaften führt, so fürchtet darum nicht, daß ihr dadurch die religiöse Entwickelung eurer Kinder überhaupt zurückhaltet; denn verlaßt euch darauf, die Selbstentfaltung des kindlichen Gemüths zum religiösen Ahnen und Erkennen wird nicht ausbleiben, wenn ihr nur bedacht seid, das Wahrhaft-Menschliche in ihm zu pflegen. Seine Fragen werden euch bald Gelegenheit bieten, seinem Geist und Gemüth die Richtung auf das Göttliche zu geben. Das Samenkorn der Religion liegt in jedem menschlichen Gemüthe, aber nur wenn ihr es aus eigener Kraft keimen lasset, wird es sich zur Wunderblume wahrhafter Religiosität entfalten. Und wenn ich nicht anstehe, zu behaupten, daß die besondere Pflege der Religion für dieses Lebensalter gefährlich und bedenklich sei, um wie viel weniger wird dem zarten Kinde schon gar die Vorstellung von dem Gegensätze der Nationen eingeimpft werden dürfen, für die sich in seinem Gemüth gar kein Verständniß findet. Nationalstolz, Nationalbewußtsein sind Begriffe, die für ihr Verständniß einer vorgeschrittenen geistigen und noch vorgeschrittneren sittlichen Reife bedürfen; in das unreife Gemüth eingepflanzt, müffen sie zur Nationaleitelkeit und zum Nationalhaß entarten. Ihr trübet die reinen Gemüther dieser Kinder nicht nur, wenn ihr ihnen von der Auserwähltheit eures Volks vor Gott oder von der Ausschließlichkeit eures Anrechts an die Seligkeit redet, sondern auch, wenn ihr frühzeitig ihren Sinn mit der Vorstellung von dem ausschließlichen Besitz der Tugenden erfüllt, die ihr als den Stolz eurer Nation betrachtet. Wollt ihr aber in diesem Lebensalter dennoch den Grund legen, auf dem ihr später das nationale Bewußtsein aufrichtet, so möget ihr ihnen von den edlen Thaten der Männer erzählen, die sich aus eurer Nation um die Menschheit verdient gemacht haben; aber nicht von Kriegen und Kämpfen, in denen sie andere Nationen niedergeworfen. Das