Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Volume
- 1858
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 11)
- Language
- German
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würdigen und ehren, in ihren Geschwistern und Mitschülern ihre Nächsten lieben; lehrt sie in jedem Erwachsenen einen Vater und eine Mutter achten, in jedem Altersgenossen einen Bruder schätzen. Lehrt sie auch in dem wenigen Thun, das ihnen obliegt, den Werth und die Heiligkeit der Pflichterfüllung achten; in dem Wenigen, das ihr Eigenthum bildet, den Werth der Ordnung und der Erhaltung schätzen und im Kleinsten wie im Größten das Gesetz der Wahrhaftigkeit ehren. — Wenn ihr diese Fähigkeiten in ihnen weckt, diese Kenntnisse ihnen aneignet, diese Tugenden in ihnen pflegt, so werdet ihr den sichern Grund gelegt haben für Alles, was das Leben von ihnen fordern kann, gleichviel zu welcher Religion sie sich bekennen, welcher Nation sie angehören, welchem Beruf sie sich widmen mögen. Daß dies erreicht werde, haben alle Eltern und Erzieher für alle Kinder anzustreben, wie sie es erreichen sollen, muß sie das Verftändniß des Kindes und seine Individualität, das Verftändniß seiner Fähigkeiten und seines Charakters lehren. Wenn ihr aber eure Kinder lieb habt, ihr Väter und Mütter, ihr Lehrer und Erzieher, so laßt sie in diesem Lebensalter Nichts wisien und Nichts ahnen von allen trennenden und unterscheidenden Gegensätzen, welche Menschen von Menschen trennen und sondern. Ihr versündigt euch an dem werdenden Menschen, der sich seines menschlichen Daseins noch erst bewußt werden soll, wenn ihr ihn lehrt, sich als Juden im Gegensatz zum Christen, als Protestanten im Gegensatz zum Katholiken zu empfinden. Der enge Rahmen seiner Seele vermag in dem unterschiedslosen Bilde des Menschlichen noch nicht die Vorstellung des Mannigfaltigen, des Gegensätzlichen aufzunehmen. Was ihr ihm als etwas Anderes erscheinen laßt, als er sich selber fühlt, muß für ihn aus dem Gebiet dieses Bildes heraustreten; und dem Kinde, das sich seiner selbst so, wie es ist und sein kann als Christ, als Katholik bewußt ist, kann der Jude, der Protestant nicht als ein gleiches menschliches Wesen erscheinen; und die Ungeheuerlichkeiten, die ihnen seine kindliche Phantasie andichtet, wird eine Mißachtung