Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Volume
- 1857
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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aWSHyP"11 r/~»> 6 Freude über den Erwerb eines neuen Eigenthums an den Tag legt, kann und soll man ihm die Erhaltung und Schonung desselben zur Pflicht machen, ihm die Fürsorge für dasselbe in gewissen Grenzen auferlegen und anheimgeben. — Ein Thierchen, das es liebt, sott von ihm versorgt, ein Blumentopf, an dem es sich erfreut, von ihm gepflegt, ein Spielzeug, mit dem es sich unterhält, von ihm geschont und in Ordnung erhalten werden. Das Kind, das sich an schönen Kleidern ftent, wird mit Leichtigkeit zur Sauberkeit und Ordnung angehalten werden können; und ein Kind, das seine Eltern, seine Geschwister, seine Großmutter lieb hat, wird durch kleine Dienstleistungen, die man ihm für dieselben überläßt, erfreut und in seiner Liebe zu ihnen befestigt werden. Denn nicht das Gute, das wir empfangen, sondern das wir gewähren, ist die Quelle der reinsten und stärksten Liebe. Ein so gewöhntes Kind wird sich ohne Schwierigkeit und ohne Widerstreben in das Gebiet der strengeren und schwereren Pflichten einführen lassen, die ihm die Schule auferlegt. Dagegen wird auch die Schule sich zu hüten haben, daß sie dieses Pflichtgefühl nicht aus der Sphäre des kindlichen Seelenverftändnifses herausreiße und die Einsicht oder die Willenskraft von ihm fordere, die sich der Mann nur schwer anzueignen vermag, wenn er einem absoluten Pflichtgebot sich unterwerfen soll, für das ihm der innere Antrieb fehlt. Die neuen Pflichten der Schule knüpfen sich am natürlichsten an den neuen Erwerb, den sie dem Kinde bietet. Die Freude am Lernen und am Können, an der Erweiterung seiner Fähigkeiten und Fertigkeiten muß sich ihm als die Quelle seiner Pflichten für die Schule erkennbar machen. Denn für die innere Befriedigung, die jeder Zuwachs an Kraft des Körpers, des Geistes und des Willens dem Menschen gewährt, ist das kindliche Gemüth ohne Zweifel noch empfänglicher, als der Erwachsene; und die Freude, die das Kind über den ersten kleinen Weg empfindet, den es ohne fremde Hilfe auf eigenen Füßen zurücklegt, muß ein deutlicher Fingerzeig für die Pädagogik sein. Eltern, die ihre