Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Volume
- 1856
- Date
- 1856-01-01
- Page
- Seite 26 (sequence 30)
- Language
- German
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26 ertragen und zu vertragen, Gefälligkeit zu üben, Vorurtheile und Empfindlichkeit zu schonen, fich von Reizbarkeit und Heftigkeit zu befreien und auch in Scherz und Lust das Maaß des Anstandes nicht zu vergessen, kann man nirgend so gut lernen wie in der Schule, und für Ausgleichung der Stände und der Konfessionen kann eine Schule wie die unsrige mehr wirken als alle politischen Maßregeln. 3) Gewissenhafte Pflicht reue und pünktliche Ordnung. In der Schule soll man nicht nur das Vorgetragene lernen und für diesen Zweck arbeiten, sondern es ist eben so wichtig, daß man das Lernen und das Arbeiten überhaupt lerne und besonders an das Letztere durch die Schule fürs Leben gewöhnt werde. — Gewissenhaftigkeit und Zuverlässigkeit sind die schönsten Empfehlungen des Mannes, Pflichttreue und Ordnung der werthvollste Schmuck des Weibes. Für die Pflege dieser Tugenden vermag die Schule sehr viel zu thun, wenn sie der Lässigkeit, der Halbheit, der Unpünktlichkeit, der Unordnung und Unsauberkeit von frühester Jugend mit ausdauernder Konsequenz entgegenwirkt, und die gewissenhafte Mittelmäßigkeit höher achtet, als das unordentliche und lässige Talent. 4) Wahrhaftigkeit. Dieser Grundpfeiler aller Sittlichkeit muß in der Schule auf den festesten Grundlagen aufgerichtet und erhalten werden. Die Gelegenheit, welche die Schule zur Unwahrheit und Täuschung bietet, ist zu reich, als daß die Schule nicht auch der Familie für die Verhütung derselben verantwortlich sein sollte. Furcht vor den Folgen eines begangenen Unrechts ist die vornehmlichste Triebfeder der Lüge. Daher wird man am kräftigsten gegen dieselbe wirken, wenn man nicht die Furcht, sondern das achtungsvolle Vertrauen zur Quelle der Autorität des Lehrers zu machen vermag und die Lüge ernster rügt und härter straft, als das Unrecht selbst, dessen Bestrafung inan durch Unwahrheit vermeiden wollte. Eine Schule, die den Geist der Wahrhaftigkeit in ihren Zöglingen zu wecken und zu befestigen versteht, hat sich ein unauslöschliches Verdienst um dieselben erworben.