Mannheim
Compact Memory

Einladungsschrift zu der auf den ... festgesetzten öffentlichen Prüfung der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde · 1855-01-01 · 1855 · p. Seite 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Einladungsschrift zu der auf den ... festgesetzten öffentlichen Prüfung der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
Volume
1855
Date
1855-01-01
Page
Seite 13 (sequence 17)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
98% known words query
IRI
…/9643701-7657766--57-7657781
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

ihre kleinen guten Handlungen verdienen. Um sie immer mehr dahin zu bringen, sich selbst zu prüfen, muß man mehr ihren Gedanken, als ihrem Thun Beifall oder Tadel ertheilen. Das Gute und Böse ist etwas rein Inneres; unsere Beweggründe und Absichten sind die Gegenstände unseres Gewissens und die Frage: warum hast Du das gethan? muß in der Erziehung vielfach angewendet werden; aber ein junges Mädchen wird keine aufrichtige Antwort geben, wenn man sie nicht daran gewohnt hat, auf ihre moralischen Regungen zu achten. Es ist wohlthätig, wenn man weiß, daß wir oft auf gleiche Weise, überaus verschiedenen Motiven handeln, die vor Gott und unserm Gewissen das verändern, was in den Augen der Welt immer als dasselbe erscheint; es ist gut auf seiner Huth zu sein gegen die sonderbare Neigung der Menschen, sich von ihrem eigenen Schein irre leiten zu lassen. Weiß das junge Mädchen einmal, daß das Gute in den Beweggründen der Handlung liegt, so wird es in Uebereinstimmung mit diesem Begriffe, den Täuschungen der Eigenliebe leichter entgehen. Selten haben wir, wenn wir uns im Stillen beobachten, uns aller unserer Gedanken zu rühmen, und wie sehr würde der trefflichste Mensch errvthen, wenn er Alles, was in seinem Innern vorgeht, öffentlich bekennen sollte. Möchten die Mütter in der Erziehung der Töchter weniger das Bestreben haben, dieselben für eine gefällige äußere Erscheinung in den Augen der Modewelt, als für eine innere Gediegenheit nach den Anforderungen der Gebildeten und Denkenden auszustatten; möchten sie weniger den Schein, den die Convenienz und die sogenannte Schicklichkeit verlangt, als die Forderungen des Gewissens bei ihren Vorschriften und Lehren als Beweggründe gebrauchen; möchten sie dieselben beständig auf das, was Pflicht und Gewissen gebieten, Hinweisen und alle Unwahrheit aus ihren Verhältnissen zu den Kindern und ihrem Benehmen verbannen. Dann werden die beklagenswertsten Mängel, die uns in der Bildung der Mädchen entgegentreten, sich allmählig verlieren und die Schule im Zusammenwirken mit dem äl-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.