Einladungsschrift zu der auf den ... festgesetzten öffentlichen Prüfung der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der auf den ... festgesetzten öffentlichen Prüfung der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
- Volume
- 1855
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 16)
- Language
- German
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12 nehmung der Pflicht hingeleitet, die sich in der Folge weiter entwickeln wird. So werden die guten Handlungen der Eltern Wohlthaten für die Kinder und die Quelle alles Ehrenhaften, was sie im Laufe ihres Lebens vollbringen werden. Ihre ganze Lebensregel wird nur eine Erinnerung ihres ersten Lebensalters sein unb der Ausspruch eines berühmten Schriftstellers wird zur Wahrheit werden: die glückliche Wirkung der elterlichen Tugenden verlängert sich, uns unbewußt, und gleicht der Wirksamkeit der Gottheit auf unsere Seelen. Nach dieser ersten Lehrzeit wird endlich der Tag kommen, das kleine Mädchen auf die Beobachtung seiner selbst zu lenken. Es wird sich erhoben fühlen, wie die Mutter an den Pflichten Theil zu nehmen und demselben Gebieter zu dienen. Die moralische Verpflichtung wird sich ihr als ein Vorzug, ja als eine freie Wahl, als eine Selbstbestimmung darfteüen. Die Mutter braucht nicht zu fürchten, zur Zeit merken zu lassen, wie schwer und mühsam es ihr zuweilen wird, keine von ihrer Bestimmung geforderte Handlung zu vernachläßigen; ein solches auf die rechte Weise gemachtes Geftändniß wird ihrem Ansehen nicht schaden. Ein Mädchen kann nicht lange im vollen Glauben an die Vollkommenheit der Mütter bleiben; es ist daher besser, diese Täuschung mit Besonnenheit zu beseitigen und der Gefahr der heimlichen Entdeckung, die doch einmal eintreten wird, zuvorgekommen zu sein. Die Macht handelt klüger, wenn sie ihre Schwäche gesteht, als wenn sie dieselbe errathen läßt. Die Kinder gleichen hierin den Erwachsenen; sie widersetzen sich oft den Verbindlichkeiten, die wir ihnen vermöge unserer Autorität auflegen, als ihnen allein zukommend, sie sind aber weniger geneigt, sich gegen gemeinsame Pflichten aufzulehnen, die nicht mehr als eine Wirkung der Willkühr oder der Laune eines Hvhern erscheinen. Sie werden vielleicht weniger folgsam gegen grillenhafte Einfälle sein, das wäre aber eher wünschenswerth. Ein Mittel die Ueberlegung bei den Kindern zu entwickeln ist ferner, wenn man ihnen die Ursachen des Lobes angibt, das