Mannheim
Compact Memory

Einladungsschrift zu der auf den ... festgesetzten öffentlichen Prüfung der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde · 1855-01-01 · 1855 · p. Seite 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Einladungsschrift zu der auf den ... festgesetzten öffentlichen Prüfung der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
Volume
1855
Date
1855-01-01
Page
Seite 8 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
96% known words query
IRI
…/9643701-7657766--52-7657776
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

8 keine unerwarteten Seelenbewegungen mehr; die Vorstellungen des Effects, den sie auf andere machen, geht dem voraus, den sie in der Seele Hervorbringen sollen, wenn man sie selbst cultivirt, und wir sehen nichts als Schein, Affectation, und die Begierde, Staunen und Bewunderung zu erregen. Ein anderer, mit dem bezetchneten mehr verwandter Fehler in der Erziehung wirkt nickt minder zur Erzeugung jener Mängel, die uns bei den Mädchen vorzuherrschen schienen. Da das Weib, wenn auch nickt mit gleichen, doch mit ähnlichen Fähigkeiten wie der Mann ausgestattet ist, so sollten wir bei dessen Erziehung bei aller Verschiedenheit ihrer irdischen Bestimmung, von denselben Principien geleitet werden. Es möchte aber zuweilen den Anschein haben, als ob man die Frauen als Wesen betrachte, die nur Gemüthsbewegungen haben und ohne Gewissen und Vernunft, nur von Gefüblen und Trieben gelenkt werden könnten, als seien sie nur bestimmt, sich für das Wohlgefallen eines Gebieters zustutzen zu lassen, der berechtigt sei je nach Zeit und Laune, ihnen das Vergessen der Pflichten, oder die Uebung der Tugend zu gebieten. Das Weib ist jedoch, eben sowie der Mann, ein intelligentes Wesen; es ist von derselben Natur, besitzt, wenn auch im geringer» Grade, dieselben Mittel, die Bedingungen seines Daseins zu erkennen und zu erfüllen; seine Erziehung sollte daher wenigstens was die Grundsätze anbelangt, von der des Mannes nicht wesentlich verschieden sein» und als die, eines mit Vernunft begabten, eines sittlichen und freien Wesens, mit seiner Natur übereinstimmend, seine Sittlichkeit dnrch die Herrschaft der Vernunft über den Willen zu sichern bestrebt sein. Aber aus einer gewissen Besorgniß wegen ihrer Zukunft vernachlässigen die Mütter ihre Töchter mit derjenigen Kraft auszurüften, die für schwierige oder unvorgesehene Umstände so nothwendig ist. Sie begnügen sich, sie mit einer Moral zu nähren, die im Allgemeinen aus Convenienzen geschöpft ist, die der Kraft und des Lebens ermangeln. Fast alle Mütter ziehen Vorschriften den

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.