Einladungsschrift zu der auf den ... festgesetzten öffentlichen Prüfung der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der auf den ... festgesetzten öffentlichen Prüfung der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
- Volume
- 1855
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 11)
- Language
- German
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7 nur augenblicklich beantragen, die Verhältnisse ihrer Tochter zu der -Gesellschaft leicht und angenehm finden, und ihr deren Zuneigung sichern; fie würde die ihrem Geschlechte natürliche Bescheidenheit und Würde zu Hülfe nehmen, um ihr sehr schnell den Takt der Convenienzen beizubringen. Ueberdies würde der so leicht einzuflößende Geschmack für tausend interessante Gegenstände in den Künsten und in der Natur das junge Mädchen mit den Annehmlichkeiten des Geistes versehen; je mehr aber ihr seine Blicke nach Außen richtet, je mehr ihr seine Aufmerksamkeit von seinen Erfolgen ablenket, desto größer werden ihre Liebenswürdigkeit und ihre Reize sein. Warum zieht ihr es vor, zur Eigenliebe eure Zuflucht zu nehmen, zu jenem eiteln Egoismus, der sich zu so vielen Kleinlichkeiten erniedrigt und so viele schlechte Leidenschaften aufregt? Man bedenkt nicht, daß eine solche Stimmung zuletzt das ganze Leben verschlingt. Eine Eigenliebe, die so geschärft ist, um die der Andern zu verstehen, wird zugleich der Beweggrund und der Ordner des Benehmens, der sein Gepräge den Handlungen, ja selbst den Meinungen aufdrückt; das innere Leben wird entstellt, alles wird bis auf Grund des Herzens verfälscht. Ganz dem entgegengesetzt, wie es sein sollte, kommen die Urtheile von außen her, während die Gemüthsregungen auf das Selbst gerichtet sind; nicht um das, was man selbst empfindet, handelt es sich, sondern um das, was man Andere empfinden macht. Man will bezaubern in der Jugend späterhin interessiren und im reifen Alter Ansehen einsiößen, eine große Stelle im Geiste Anderer behaupten, durch Rang, Vermögen oder durch ein gravitätisches Aeußere imponiren. Alle dem Weibe eigentümlichen Anlagen werden nun umgestaltet. Nur sich selbst gelten die Klagen, die Thränen; das zarte Mitleid, die natürlichsten Regungen der Seele erkalten. Die zur Aufnahme sanfter Eindrücke so bereitwillige Imagination, das angeborene Gefühl für das Edle und Schöne, das dem Weibe so viel Reiz verleihet, verschwindet. Die Künste hören auf Künste zu sein, sie wecken