Einladungsschrift zu der auf den ... festgesetzten öffentlichen Prüfung der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der auf den ... festgesetzten öffentlichen Prüfung der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
- Volume
- 1855
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 9)
- Language
- German
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So bleibt der große Zweck der intellectuellen Erziehung, die harmonische Entwickelung der Fähigkeiten, den Müttern fremd. Der Geist der Forschung, das Bedürfniß der richtigen Beuctheilung, ja selbst das gebildete Schvnheitsgefühl machen Anforderungen, die zuweilen in Verlegenheit setzen können; dieses sind aber gerade die natürlichen^Bewegkräfte der intellectuellen Erziehung. Das Gedächtniß ist ein ruhiger Diener, der zufrieden ist, wenn er nur wenig zu arbeiten braucht. Man wendet sich daher vorzüglich an das Gedächtniß. Daher hat auch das Denken für die jungen Mädchen kein Interesse. Gewöhnt ihre ganze Aufmerksamkeit auf die Personen zu richten, zu errathen, was ihnen ein Lob erwerben kann, ist die Entwickelung eines interessirten Scharfblickes ihr einziger Fortschritt, und eine Seite des Geistes wächst auf Unkosten aller Andern. Daher ihre Gleichgültigkeit für alle einigermaßen allgemeine Ideen, für das Wesentliche, für das Wahre in Allem, von dem sich keine unmittelbare Anwendung machen läßt; daher ihre leidenschaftlichen und unaufgeklärten Meinungen; daher ihre Ueberzeugung, daß Alles, was sich ihnen entgegenstellt, von dem Uebelwollen der Einzelnen herrührt, daß in den Dingen selbst keine Nothwendigkeit liegt; daher ihre Vorurtheile in Beziehung auf Klassen, Coterien; daher die Unmöglichkeit unparteiisch zu sein, daher überhaupt alle Uebel auf dem geistigen Gebiete und noch über dasselbe hinaus. Dürfen wir uns über diese Resultate wundern? Die häusliche Erziehung hat niemals das Bestreben gehabt, einen erleuchteten Geist, ein intelligentes Wesen zu bilden, es war ihr nur darum zu thun, die Unterweisung auf einen, von der Convenienz bestimmten Punkt zu bringen. Was kann aber, sagt man, ein gründlicheres Wissen den Frauen nützen? Materiell vielleicht nicht, für Wesen, die kein specielles Gewerbe treiben werden, mag es keinen positiven Zweck haben; aber Geister vertrocknen lassen, die bestimmt sind, andere zu bilden, vielleicht auch ein großes Glück in ihrer eigenen Entwickelung zu finden, ist eine moralische Verstümmelung, die die künftigen