Einladungsschrift zu der auf den ... festgesetzten öffentlichen Prüfung der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der auf den ... festgesetzten öffentlichen Prüfung der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
- Volume
- 1854
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 23 (sequence 23)
- Language
- German
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23 stärker, und durch die Leichtigkeit und die Bequemlichkeit der Uebung endlich unüberwindlich. Wenn aber der Anwendung des abstracten Ausdrucks die bewußte Reflexion vorausgegangen ist, wodurch dessen Werth bestimmt würde, dann tönen die Wörter in den Tiefen des Denkorgans wieder, lassen die ursprünglichen Bilder, die dem Vorstellungsgeda'chtniß anvertraut wurden, wieder hervortreten, veranlassen neue Wcrthbestimmungen oder Vergleichungen und geben reelle und feste Begründungen der Urtheile, die wir daher Reflexionsurtheile nennen mögen. Ist es aber nothwcndig, daß deren Wiederholungen immer von jener Ueberzeugung begleitet seien, die ihren Ursprung beleuchtete? Müssen wir auf die bereits bekannten und geprüften Elemente beständig zurückkommen? Wie könnten wir in unserer Vervollkommnung fortschreiten, wenn wir immer hinter uns sehen und umkehren müßten. Was soll aber jene ersten Motive des Urtheils ersetzen, wenn die Gewohnheit sie hat verschwinden lassen? Was soll an die Stelle der frühem Anschauung traten, wenn wir uns weit von der Quelle entfernt haben? Wir antworten : die Erinnerung, daß wir diese Ueberzeugung einmal w a h rgenommen, daß wir bereits geprüft und erkannt haben, und daß diese erste Autorität bei jeder Wiederholung zur Ueberzeugung genügend erachtet wurde. Indessen gibt es vielleicht keinen Philosophen, der nicht eine alte Wahrheit, die er oft wiederholt hat, auch ohne gegenwärtige Demonstration fester glaubt, als in dem Augenblicke, wo er sie eben bewiesen hat, und die Gewohnheit macht auch hier ihre Rechte geltend. Aus dem Vorhergehenden ergibt sich, daß die Gewohnheit das Urtheil der Reflexion in ein Urtheil der Erinnerung verwandelt. Der unbestrittene Besitz hat aber auch Gleichgültigkeit zur Folge und eine Wahrheit, die mit großer Anstrengung errungen wurde, wird bald nur eine oberflächliche Aufmerksamkeit auf sich ziehen, und die Beziehungen, die sie ausdrücken, werden vor dem Auge des Geistes dahin glliten, wie jene all-