Einladungsschrift zu der auf den ... festgesetzten öffentlichen Prüfung der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der auf den ... festgesetzten öffentlichen Prüfung der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
- Volume
- 1854
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 22 (sequence 22)
- Language
- German
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— 22 — bizarr verbundenen Worte haben, welche von Kindheit auf wiederholt und in Gewohnheiten des mechanischen Gedächtnisses verwandelt, der Gegenstand eines bloßen W)rtglaubens wurden, für welchen Menschen sich allen Ausschweifungen überließen, ja selbst ihr Leben oxf.'rten? Worauf gründet sich jene Macht gewisser unbedeutender Wörter, welche die Glieder von Secten beständig im Munde führen, um ihren Glauben zu verstärken und die sie ihren Feinden entgegenschleudern, in der Gewißheit, sie dadurch niederzuwerfen. Um diese wunderbaren Wirkungen zu begreifen, lasset uns an den Ursprung und die Umwandlung unserer meisten abstracten Ausdrücke erinnern. Gerade wenn ihr Karakter als konventionelle Zeichen am meisten vergessen ist, erlangen sie oft eine, ans Wunderbare grenzende Macht, wie jene ehrgeizigen Großen, die sich unter einem vieldeutigen Titel eine unbegrenzte Macht anmaßen, die sie, unter einem bestimmten und bekannten Namen nicht erlangen würden. Erwägen wir ferner, daß ein, in Worten, mit denen man keinen Sinn verbindet, ausgesprochenes Urtheil nichts weiter ist, als eine Handlung des mechanischen Gedächtnisses, welche diese Worte in derselben fixen nothwendigen Ordnung hervorruft, welche Ohr und Stimme unveränderlich angenommen und immer befolgt haben. Jede neue Wiederholung gibt dem Urtheil größere Macht; wenn man vom Ursprünge entfernt ist, dann fragt man nicht mehr, ob man jemals einen Grund gehabt, so zu urtheilen und zu glauben, man weiß nur, daß man immer so geurtheilt und geglaubt hat und hat weder die Macht, noch den Willen, zu prüfen. So entsteht und befestigt sich jener blinde Gewohnheitsglaube, der einen allgemeinem Einstuß ausübt, als die Autorität der Vernunft und die Macht der Ueberzeugung. Ein einziges einmal angenommenes mechanisches Urtheil zieht bald eine Menge ^anderer nach sich. So wird die Neigung, ohne Prüfung zu urtheilen, an und auf Worte zu glauben, immer