Einladungsschrift zu der auf den ... festgesetzten öffentlichen Prüfung der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der auf den ... festgesetzten öffentlichen Prüfung der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
- Volume
- 1854
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 21 (sequence 21)
- Language
- German
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1 — 21 — stimmend, geben allen den täuschenden Urtheilen, die sie veranlaßt haben, eine große Consistenz. Unsere abstracten Ausdrücke werden in den Formen unserer Sprachen eben so wie physische Wesen behandelt. Als Subjecte des Satzes werden von ihnen dieselben Beschaffenheiten, dieselben absoluten Eigenschaften, wie von wirklichen Gegenständen ausgesagt. Ueberdieß verleihen ihnen unsere figürlichen Ausdrücke einen Körper, um sie zu beleben, stellen sie uns handelnd, sich bewegend und fühlend, wie wir, dar. Wie sollte diese beständige Aehnlichkeit in den Formen nicht das Urtheil irre leiten? Müsien die Gewohnheiten des Denkens sich nicht nach denen des Wortes bilden? Wie oft geschieht es nicht, daß die, die Existenz bezeichnende Formel, angewendet auf das, was ist, wie auf das, was nicht ist, auf die Produkte der Natur, wie auf die Schöpfungen unserer Phantasie, endlich unsere Urtheile in den blinden Mechanismus der Wörter hineinzieht und den Glauben auf alte und häufige Wiederholung nichtiger Formeln gründet. Hier ist die fruchtbare Quelle einer Menge. von Vorurtheilen; hier verleihet die Gewohnheit dem Zeichen des Gedächtnisses eine noch größere Gewalt, als sie den Zeichen der Imagination verlieh. Der Gebrauch der Sprache drückt ferner den Ideenverbindungen einen ganz anderen Karakter auf. Sie beschleunigt dieselben durch ihre unmittelbare Wirkung auf das Denken; sie befestigt sie, indem sie durch die Willkühr, mit der wir sie anwenden können, die Seltenheit der Phänomene ersetzt und durch ihre willkührlichen Wiederholungen die öftere Erscheinung ihrer Bilder gleichsam erzwingt; endlich gibt sie dem ausgesprochenen Urtheil eine Stütze und die, zwei Vorstellungen verbindende Eopula gibt ihnen durch die Wiederholung den Karakter der Nothwendigkeit. Alsdann verschwindet die wirkliche Welt vor der eingebildeten; der Mensch glaubt an das, was er beständig spricht und hört, noch mehr als an das, was er sieht und berührt; alles steht unter der Macht des Wortes (des Verbs). Welche Wurzeln können in der Imagination jene Formeln, jene