Einladungsschrift zu der auf den ... festgesetzten öffentlichen Prüfung der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der auf den ... festgesetzten öffentlichen Prüfung der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
- Volume
- 1854
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 20 (sequence 20)
- Language
- German
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20 wie sollte es nicht dahin wirken, die abstrakten Ideen mit deren Ausdrücken zu verschmelzen, die dessen einzige Stütze im Gedächtnisse bilden. So glauben Viele, Begriffe zu erhalten, indem sie bloß Worte ins Gedächtniß zurückrufen, mit leeren Zeichen operiren und ewige Wahrheiten auszudrücken vermeinen. Diese Täuschung hat ihren Grund in der tiefsten Gewohnheit unserer Urtheile und in den ersten Associationen unserer Sprache. Unsere ersten Zeichen waren nur mit sinnlichen Wahrnehmungen verknüpfte Benennungen. Als nun unsere fortschreitenden Fähigkeiten die Bestimmungen dieser Zeichen erweiterten und wir damit das, was man geistige Wahrnehmungen benennt, ausdrückten, abstracte Begriffe oder Verbindungen aller Art festhielten, hatte die Imagination bereits die Gewohnheit angenommen, durch die Macht der Töne gleichsam in Schwingungen zu gerathen, und es muß das Bestreben entstehen, sich dieselben anzueignen. Lange noch wird dieses bewegliche Vermögen die sogenannten reinen Verstandesbegriffe verändern und dem Zeichen eine, mehr oder weniger unbestimmte sinnliche Vorstellung zugesellen. So verbinden sich in dem Gehirne der Kinder und Unwissenden (zuweilen selbst der Gelehrten) die Namen geistiger Substanzen, unsichtbarer Mächte mit irgend einem sinnlichen Modelle, irgend einem materiellen Bilde. Aber kein Gegenstand kann mit einiger Klarheit und Stärke der Imagination dargestellt werden, ohne daß derselbe außerhalb des Ich als verwirklicht gedacht, in irgend einem Theile des Raumes und der Zeit betrachtet wird. Hier haben wir schon einen ersten Grund für den Glauben an die wirkliche Existenz. So haben die künstlich gebildeten Geschlechter, Gattungen kein wirkliches Modell in der Natur und haben ihre Stütze nur in dem Zeichen. So wie nun die Imagination sich des Ausdruckes bemächtigt, verwandelt sie ihn abermals, führt ihn ins sinnlich Wahrnehmbare zurück, schafft ihm eine Unterlage außerhalb der sichtbaren Welt, in den Regionen, wo die Phantome die Stelle der Wirklichkeit vertreten. Die Gewohnheiten der Sprache, mit der Imagination überein-