Einladungsschrift zu der auf den ... festgesetzten öffentlichen Prüfung der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der auf den ... festgesetzten öffentlichen Prüfung der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
- Volume
- 1854
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 18 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/9643701-7657727--19-7657745- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
18 haben, indem man sie den Gegenstand hinzeichnen laßt. In einem, in der ersten Gewöhnung durch solche Uebungen gebildeten Denkorgan und Gedächtnisie werden die leeren und unbestimmten Ausdrücke keinen Raum finden und von denselben abgewiesen werden. Da nun die Intelligenz vorzüglich in der Vorstellungskraft liegt, so muß die erste Erziehung aus die Entwickelung dieses Vermögens gerichtet und dessen Uebung zur Gewohnheit gemacht werden. Nur langsam darf von der sinnlichen Vorstellung zum Zeichen für das Gedächtniß, von dem Concreten zum Abstracten übergegangen werden, und das bereits abstract gewordene Zeichen müßte oft auf das Sinnliche zurückgeführt werden, aus welchem es entsprungen ist. Der Schüler darf bei den geometrischen Uebungen die Figuren nicht immer vor den Augen haben, sondern muß die Gewohnheit annehmen, die Verhältnisse an dem, in seinem Gedächtnisie ausbewahrten Bilde wahrzunehmen. Schon die Art, wie er sich ausdrückt, wird uns über die Genauigkeit seiner Vorstellung urtheilen lasien. Das Hinzeichnen von Gegenständen, die ihm in der Natur aufgefallen sind, wird ebenfalls zur Erreichung dieses Zweckes Mitwirken. Eine Sprache, welche die zwiefache Analogie der Zeichen unter sich und mit den Vorstellungen verbindet, würde die Bildung und Entwickelung der erwähnten Gewohnheiten unterstützen. In dieser Beziehung kann die Sprache der neuern Chemie zum Beispiele dienen. Wir behalten die Ausdrücke eben so leicht, als wir die Begriffe erfasien; beide trennen sich nicht von einander und wir können die Sprache eben so wenig ohne die Wlsienschaft, als diese ohne jene lernen. Obgleich nun unsere Sprachen diese genaue Analogie der Wissenschaft nicht vertragen, so können wir dennoch bemerken, daß ihre Karaktere mehr oder minder geeignet sind, die Klarheit der Darstellung der Ideen zu stören. Angemeffenbeit in den Wendungen, Mäßigkeit in den Figuren, Präcision und Klarheit im Ausdruck, Uebereinstimmung in der Constructionsordnung können das Borsiellungsvermögen