Einladungsschrift zu der auf den ... festgesetzten öffentlichen Prüfung der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der auf den ... festgesetzten öffentlichen Prüfung der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
- Volume
- 1854
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
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10 uns Beweise liefern von der Gewalt der Täuschungen, der Glaubensmeinungen und abergläubischen Gebräuche aller Art, von der Stärke und Zähigkeit aller Gewohnheiten, die diesen Ursprung haben. Wenn die mystischen Gemälde und alle Wirkungen des abergläubischen Wesens sich in der Einbildungskraft fetzsetzen, so erfüllen sie dieselbe und lasten ihr keine Ruhe. Diese Bilder, Gefühle, Gebräuche, statt durch den Einfluß der Gewohnheit zu ermatten, bekommen vielmehr größere Gewalt; man mag und kann sieb nicht von ihnen abwenden. Diese Art von Gewohnheiten wird durch die w i l l k ü h r l i ch e Wiederholung derselben articulirten Töne verstärkt und es entstehen daraus die tiefsten und hartnäckigsten Gewohnheiten; indem man diese Zeichen jeden Augenblick Hervorbringen kann, clectrisirt man sich selbst durch die an den Gebrauch dieser Zeichen sich knüpfenden phantastischen Ideen, die ohne sie gar nicht vorhanden wären, so wie durch die verschiedenen Combinationen, die sie befestigen, und durch die Vergleichungen, die sie veranlasten. Der Mensch ist ein aus Jnstinct nachahmendes Wesen; er ahmt alle Handlungen, die er sieht, nach, ehe er fähig ist, ihren Zweck zu fasten, ihre Beweggründe zu durchdringen. In dem Geiste derjenigen, die ihm als Muster dienen, sind diese äußern Zeichen mit Gefühlen, diese vielleicht mit Vorstellungen und beide mit articulirten Tönen verbunden. Das Kind erfaßt zuerst nachahmend Bewegung und Wort; bald jedoch wird es sympathisch auch die Empfindungen erhalten, während die Vorstellung, als das Entfernteste und Schwierigste, erst später eintreten und vielleicht immer schwebend und unsicher bleiben wird. Wenn nun durch die Wirkung einer nachahmenden Wiederholung diese Töne, Bewegungen und Gefühle sich enger verknüft haben, so wird das vernommene oder dem Gedächtniste sich darbietende Wort, gleichsam durch eine unwillkührliche mechanische Gewalt, dieselbe Thätkgkeit in den Bewegungsorganen, die gewohnte Erregung in dem Empsindungssyfteme Hervorbringen. So sehen wir, wie wiederholte Beispiele und alte