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Einladungsschrift zu der am ... statt habenden öffentlichen Prüfung in der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde · 1853-01-01 · 1853 · p. Seite 16

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Journal
Einladungsschrift zu der am ... statt habenden öffentlichen Prüfung in der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
Volume
1853
Date
1853-01-01
Page
Seite 16 (sequence 20)
Language
German
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IRI
…/9643693-7657704--141-7657722
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10 Ansehen des Gewissens schwächen, wenn es nicht gar erstickt wird, und die Macht der Gewohnheit nicht überwiegt, was nur zu oft eintreten wird, da die Gewohnheit eine blinde und mechanische Kraft ist. Befraget den Sohn der an der Küste Malabar geopferten Wittwe, diesen Sohn, dem eine künstlich geschaffene Pflicht vorschreibt, den Befehl, daß seine Mutter sich opfere, zu verlangen und selbst die Fackel an den Fuß des Scheiterhaufens zu tragen. Steiget in den Grund seines Herzens hinab und sehet, ob es wohl möglich ist, daß diese vorgebliche Pflicht die kindliche Pietät in ihrer ursprünglichen Gestalt in ihm fortbestehen lassen konnte? Fraget euch selbst, ob jene Menschen, denen gelehrt wurde, andere Glaubensgenossen als von Gott verdammte, wenigstens als geringer geachtete Wesen zu betrachten, in ihren Herzen die Menschenliebe ungeschmälert bewahren können? Sobald wir den Gesichtspunkt verrücken, vervielfältigen wir die falschen Folgerungen ins Unendliche und einem Irrthume entkeinem tausende unvorhergesehener Jrrthümer, die wir nicht mehr zu zerstören vermögen. Fürchten wir die Wahrheit nicht, sobald sie an ihrem Platze ist. Die Moral hat die tiefen Untersuchungen nicht zu fürchten, wenn sie vollständig sind; nur die oberflächlichen und'frivolen Ansichten können ihr Schaden bringen. Der gesunde Verstand ist der Freund, der Hüter der Tugend; er unterstützt die Rechtlichkeit. der Absichten, erhält die Ruhe des Herzens und stärkt die Seele durch die Vollständigkeit der Ueberzeugung. Der Umgang mit der Wahrheit unterhält die Sicherheit, das Vertrauen, die Beständigkeit, die Festigkeit der Entschlüsse und die Würde des Karakters. Wenn wir im Stande sind, unfern Verstand gut zu leiten, werden wir nicht zugleich fähiger sein, den Regungen unseres Herzens die wünschenswerthe Richtung zu geben? Besitzen wir alsdann nicht mehr Mittel, um in der Selbsterkenntniß fortzuschreiten und die moralische Herrschaft über uns selbst auszuüben? Wenn wir bemerken, daß die dem Studium ergebenen

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