Einladungsschrift zu der am ... statt habenden öffentlichen Prüfung in der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... statt habenden öffentlichen Prüfung in der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
- Volume
- 1853
- Date
- 1853-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/9643693-7657704--139-7657720- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
14 die alle Wesen wetteifernd anstimmen; sie verleihet ihre Majestät den himmlischen Erscheinungen, der Landschaft und den einfachen Blumen mannigfaltigen und anmuthigen Ausdruck. Sie athmet in den Gesängen des Menschen, wenn er, ein würdiger Dollmetscher dieses allgemeinen Concertes, das Bild der Tugend jenen Scenen verleihet, die seine Gegenwart zu beleben scheint: in den zum Gedächtnisse großer Männer und zur Erinnerung großmüthiger Handlungen errichteten Denkmälern; in den öffentlichen Feierlichkeiten, wenn sie gleichsam ein erhabenes Fest sind, von der menschlichen Gesellschaft der Verehrung dessen geweihet, was ihre Hochachtung verdient, und der Befestigung der Bande, die ihre Glieder umschlingen; in dem einfachen und Achtung gebietenden Prunke, der die Obrigkeiten umgibt und den Tempel der Gesetze schmückt. Sie ist es, welche die Fahne erhebt, bei deren Anblick die Vaterlandsfreunde sich vereinen, die dem Helden bestimmte Palme pflücket und alle Sinnbilder des Ruhmes zusammenfügt. So mögen denn, unter dem heiligen Bilde der Tugend, voranschreiten alle jene schöpferischen Künste, die der Stolz und das Ergötzen der Erdbewohner sind! Mögen sie das Gefolge der Tugend bilden und ihr den reinsten Weihrauch streuen! Mögen sie deren Gegenwart den Menschen verkünden - und bei ihrer Betrachtung von einem reinem und wahrem Enthusiasmus ergriffen, als der, den sie aus irdischen Gefühlen schöpfen, sich selbst würdig machen, von ihr eine Reihe unsterblicher Schönheiten zu empfangen. Das ist die wahre Bestimmung der Einbildungskraft, der Geist, in welchem wir sie bilden und üben, in welchem wir ihre Schöpfungen auffassen und genießen sollen; dann wird sie der Seele nicht verderbliche Gifte, sondern liebliche und heilsame Nahrung zuführen. An der Spitze der intellectuellen Vermögen steht die Vernunft als höchste Schiedesrichterin, Ordnerin und Lenkerin, jedem seinen Bezirk, seine Verrichtungen, seine Grenzen anweisend. Hierin, wie in der Herrschaft, welche der. Intelligenz über