Einladungsschrift zu der am ... statt habenden öffentlichen Prüfung in der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... statt habenden öffentlichen Prüfung in der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
- Volume
- 1853
- Date
- 1853-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 17)
- Language
- German
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4 o 1 o Zierlichkeit der Form für die innere Güte, die Grazie für die Wahrheit, das Symbol für die Sache zu nehmen; wir führen in die gesunde und reine Verehrung der Tugend eine Art Aberglaube und Götzendienst ein. Sollte aber die Philosophie, nachdem sie die Einbildungskraft mit so ernsten Vorwürfen überhäuft hat, nicht gerechter gegen dieses glänzende Vermögen der Intelligenz seyn? Sollte die Moral selbst nicht die Dienste besser anerkennen, die sie von ihr erlangen kann? Auf ihre rechtmäßigen Verrichtungen beschränkt, auf ihre wahre Bestimmung hingelenkt, sollte sie, wie alle Geistesvermögen, nicht der Vervollkommnung des Karakters viele Dienste leisten? Welches ist denn die Macht, die uns in den Besitz der Zukunft setzt, die uns in jede Entfernung zu versetzen weiß, die uns das sinnlich Unwahrnehmbare erfassen läßt, uns in das unbegrenzte Gebiet des Möglichen einführt, unsere Kräfte durch die Hoffnung unterstützt und die enge Sphäre unseres Seins über die Grenzen der Gegenwart ausdehnt? Wenn sie auch nur dazu diente, die Quellen des Gefühls zu erneuern, würde sie nicht schon dadurch das Feld der Tugend befruchten? Wenn sie nur durch unschuldige und reine Genüsse unser inneres Leben verschönerte, würde sie nicht schon dadurch unsere Kräfte erfrischen? Ja, thäte sie weiter nichts, als uns an die Betrachtung der Natur fesseln, so würde sie schon dadurch uns in eine große und lehrreiche Schule führen. Gestatten wir nicht, daß unsere Tugend sich in eine nichtige und phantastische Poesie verflüchtige, aber wohl, daß die Poesie in den Dienst der Tugend trete. Möge die Einbildungskraft der strengen Stimme der Pflicht ihre Beredsamkeit und ihre Grazie leihen. Diese durchaus sittliche Poesie, diese Botschafterin des Guten, hat die Vorsehung sie nicht überall auf dem Schauplatze ihrer Werke kund werden lassen? Sie lebt in allen Scenen der Natur, wenn wir es verstehen, sie zu betrachten, nicht mit dem bloßen Auge des Körpers, sondern mit dem aufmerksamen und gesammelten Auge der Seele; sie ertönt in den Lobgesängen, »