Einladungsschrift zu der am ... statt habenden öffentlichen Prüfung in der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... statt habenden öffentlichen Prüfung in der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
- Volume
- 1852
- Date
- 1852-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
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13 Uche Einsicht des Geistes, die Tugend ein wirkliches Verdienst zu sein, wenn sie in das Gebiet der Gewohnheit übergegangen sind; ursprünglich mußte die Crkenntniß ein Ausfluß des Geistes, die Tugend ein Verdienst sein, sonst wäre jene, selbst wenn sie das Wahre.ergriffe, keine Crkenntniß, sondern ein Vorurtheil, und diese nur eine glückliche Eigenschaft, die keinen Anspruch auf Achtung hätte. Die Gewohnheit soll nur dazu dienen, uns der Nothwendigkeit zu überheben, das stets von Neuem zu prüfen, was wir bereits richtig eingesehen haben und eine neue Anstrengung zur Beobachtung derselben Pflicht zu machen. Man muß gute Gewohnheiten annehmen, ruft man uns beständig zu — das ist sehr wahr, aber es ist nicht genügend; man müßte hinzufügen, daß diese Gewohnheiten auf einem guten Principe beruhen müssen, auf einer erleuchteten Ueberzeugung, auf einem geprüften Gefühle; wo dieses fehlt, erzeugen sie höchstens eine gewisse äußere Regelmäßigkeit und tragen nichts zur moralischen Besserung bei. Aber auch das genügt nicht; selbst wenn die besten Gewohnheiten angenommen sind, müssen wir öfters auf die Principien zurückkommen, denen sie ihre Entstehung verdanken. So wie nämlich die in das Gedächtniß aufgenommenen Erkenntnisse zu einer unfruchtbaren und todten Masse erstarren würden, wenn wir sie nicht öfters wieder mit dem ursprünglichen Lichte der Lehrsätze, aus denen sie entstanden , beleuchteten; eben so würden die lobenswerthen Eigenschaften allmählig ersterben, wenn sie nicht öfters von der Lebenswärme des moralischen Gefühls belebt würden. Wo diese Zurückführung auf ihren Ursprung fehlt, vermischen sie sich, in ihren Wirkungen, mit jenen blinden Gewohnheiten, die wir oben bezeichnet haben; sie eignen sich nicht zu den mannigfaltigen Anwendungen und zu den, aus neuen Umständen entstehenden neuen Bedürfnissen; sie sind bald zu allgemein, bald ungenügend,