Einladungsschrift zu der auf den ... statthabenden öffentlichen Prüfung in der Israelitischen Realschule
- Journal
- Einladungsschrift zu der auf den ... statthabenden öffentlichen Prüfung in der Israelitischen Realschule
- Volume
- 1851
- Date
- 1851-01-01
- Page
- Seite 16 (sequence 16)
- Language
- German
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verwöhnt und für die einfachen, kindlichen Freuden unempfänglich geworden ist. Eben so sehr werden sie es vermeiden, in ihren Kindern die Eitelkeit dadurch hervorzurufen, daß sie beständig das Aeußerliche zum vorwaltenden Gegenstand ihrer Sorgfalt, ihrer Gespräche, ihres Lobes und Tadels machen, auf geschmackvollen Anzug und äußere Erscheinung den größten Werth legen, an ihren Töchtern, in Gegenwart derselben, ihr nettes Aussehen bewundern, aus einer Gesellschaft zurückkehrend nur davon zu sprechen wissen, welches Mädchen am schönsten ausgesehen, am graziösesten getanzt und die meiste Aufmerksamkeit erregt habe. Sie werden einsehen, daß es nicht heilsam sei, ihre Töchter zu frühzeitig in Gesellschaften und Bälle, diese Hochschulen der Eitelkeit, einzuführen und dadurch ihren Sinn immer mehr vom Innern abzuziehen und auf das Aeußere zu richten. Sie werden ferner alle Unwahrheit aus dem Umgänge mit ihren Kindern verbannen, vielmehr sie fühlen lassen, wie sehr alles Unwahre, wenn es auch den Beifall Anderer einernten mag, ihnen zuwider ist und wie alles Affectirte, Alles, was nur auf den Schein berechnet ist, ihr Mißfallen erregt. Zugleich werden sie ihren Kindern das Beispiel geben, wie sie Andern die ihnen in ihren verschiedenen Lebenskreisen gebührende Achtung zollen, Spott und Sarkasmus aus ihrer Unterhaltung verbannen und einem Ausdrucke des Spottes, der Mißachtung, einer Verletzung der schuldigen Pietät, mag sie auch ein Product geistreichen Witzes sein, niemals ihren Beifall zollen. Sie werden es nicht mit Gleichgültigkeit betrachten, wenn ihre Kinder einen Mangel an Mitgefühl kund geben, sich eine Grausamkeit gegen Thiere zu Schulden kommen lassen. Sie werden ferner es sich zur Gewohnheit machen, ihre Kinder oft im häuslichen Kreise um sich zu vereinigen und dadurch die Gefühle der gegenseitigen Liebe und Zuneigung rege zu erhalten. Sie werden sie oft hinausführen in die freie Natur, aber nicht, um in öffentlichen Gärten und Gasthäusern sich gütlich zu thun, sondern um ihre Kräfte zu stärken, ihnen den Sinn für die Schönheiten der Natur zu erschließen und für