Einladungsschrift zu der auf den ... statthabenden öffentlichen Prüfung in der Israelitischen Realschule
- Journal
- Einladungsschrift zu der auf den ... statthabenden öffentlichen Prüfung in der Israelitischen Realschule
- Volume
- 1851
- Date
- 1851-01-01
- Page
- Seite 15 (sequence 15)
- Language
- German
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eine Täuschung; sie halten, zum Theil wenigstens, was nur ihre Phantasie in Bewegung setzt, für Regungen, die aus der Seele stammen. Durch den Wechsel der Gegenstände scheint das Gefühl sich selbst zu verdammen; es setzt sich mit sich selbst in Widerspruch und nimmt etwas Launenhaftes an. Treue ist Redlichkeit in den Gefühlen, die sie zur Würde der Tugend erhebt, indem sie ihnen eine größere Reinheit verleihet. Wir meinen hier nicht jenes überspannte Gefühl, das sich verschwenderisch in seinen Kund, gebungen erweist, sondern jenes, welches im Grunde des Herzens wohnt und uns in den von uns Geliebten leben läßt. Die Gewohnheit der Achtung lehrt uns Sammlung, unterstützt die Ueberlegung, verbreitet eine gewisse Ruhe und bringt Ordnung in unsere innere Welt. Die Achtung gegen Andere, in so fern sie ihnen geziemt, die Achtung gegen sich, die Achtung gegen die Wahrheit und die Gesetze der Pflicht sind ein Schutz für alle aufrichtigen und tiefen Regungen. Die Achtung verhindert jene Leichtfertigkeit, welche die gewöhnliche Feindin der Empfindsamkeit des Herzens ist; sie umgibt die Seele mit einem Schutzwall gegen viele Zerstreuungen, begünstigt den Umgang mit sich selbst, verleihet diesem Umgang Ernst und Würde. Fragen wir die liebenden und zärtlichen Herzen: v e r e h r en sie nicht den Gegenstand ihrer Neigung? Was würde aus der Zartheit des Gefühles werden, wenn der Schleier der Achtung zerrissen wäre! Möchten die vorhergehenden Betrachtungen von denjenigen Aeltern beherzigt werden, denen daran gelegen ist, in ihren Kindern die schöne und beglückende Gabe eines lebendigen Gefühls zu pflegen und auf das Gute und Edle zu lenken. Sie werden dann, bei diesem Bestreben, es vor Allem sorgfältig vermeiden, die Sinnlichkeit und die Genußsucht zu reizen, sei es durch Beispiel und unvorsichtige Aeußerungen, sei es durch die verderbliche Gewohnheit, solche Genüsse als Belohnung und Aufmunterung anzuwenden und denselben auf diese Weise einen großen Werth in den Augen der Kinder beizulegen. Die Jugend bedarf, zu ihrer Erheiterung, solcher Genüsse nicht, so lange ihr Geschmuck nicht