Einladungsschrift zu der auf den ... statthabenden öffentlichen Prüfung in der Israelitischen Realschule
- Journal
- Einladungsschrift zu der auf den ... statthabenden öffentlichen Prüfung in der Israelitischen Realschule
- Volume
- 1851
- Date
- 1851-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German
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14 nung und der Furcht. Je unbekannter ihm der beginnende Zustand ist, desto freier mag die Einbildungskraft denselben mit lächelnden oder schreckenden Aussichten erfüllen. So steht der Mensch zwischen dem Alten und dem Neuen, und von dem Zusammenwirken beider erhält die Cultur des Gefühls den wirksamsten Beistand. Nichts weckt in der Seele stärkere Regungen, als das Erwachen einer alten Erinnerung, wenn sie, nach langer Unterbrechung, plötzlich durch neue Um» stände hervorgerufen wird. Alsdann wirken die zwei Haupterreger des menschlichen Gefühls zugleich und vereinigen ihre Kräfte. Die ganze Macht der Rückerinnerung gesellt sich zu dem Zauber der Hoffnung. O seltenes und wunderbares Zusammentreffen, wie es etwa einem Verbannten begegnet, wenn er zurückkehrend den vaterländischen Boden betritt; wie es zuweilen einem ganzen Volke widerfährt, in jenen großen politischen Wiedergeburten, die ihm Institutionen wiedergeben, welche ihm heilig waren. Ach, warum können diese entzückenden Momente auf Erden nur in flüchtiger Eile gekostet werden! Die Natur der Dinge selbst verftattet solchem wundersamen Zusammentreffen nicht, eine langdauernde Wirkung hervorzubringen. Es hängt aber in gewissem Maaße von uns ab, sie weniger selten zu machen. Lasset uns unsere Hoffnungen unter den Schutz der Erfahrung stellen. Lasset uns die Rückerinnerungen nähren durch die Erwartung einstiger Vereinigung. Lasset uns der Tugend die Leitung dieser beiden Kräfte anvertrauen; sie wird dieselben in Uebereinstimmung bringen. Unabhängig von den Ursachen, welche das Gefühl entwickeln können, gibt es auch deren, die besonders zur Unterhaltung desselben beitragen. Als solche mögen wir vorzüglich bezeichnen: die Treue gegen die uns Liebenden und die Gewohnheit der Achtung. Die edlen Gefühle werden durch die Uebung gestärkt, und gleichsam durch sich selbst genährt. Und hierin folgen sie einem Gesetze, welches zu dem, das die organischen Gefühle beherrscht, einen Gegensatz bildet. Wenn in ihren Neigungen wandelbare Menschen wahrhafte Zuneigung zu empfinden glauben, so ist das