Einladungsschrift zu der auf den ... statthabenden öffentlichen Prüfung in der Israelitischen Realschule
- Journal
- Einladungsschrift zu der auf den ... statthabenden öffentlichen Prüfung in der Israelitischen Realschule
- Volume
- 1851
- Date
- 1851-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/9643699-7657652--14-7657665- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
stellt sie unter den Schild der Treue und verleihet ihnen durch diese Treue eine eigenthümliche Hoheit und Reinheit. Diese Rückerinnerung besitzt die schöne Eigenschaft, daß sie ihrer Natur nach fern von allem Eigennutz ist; denn sie befriedigt keinen Ehrgeiz, sie bezahlt nur die Schulden des Herzens. Das Gedächtniß wird mit der Zeit schwächer, aber die Zeit verleihet der Rückerinnerung, wenn dieselbe fortlebt, einen immer wachsenden Reiz; sie dehnt den Blick, den die Seele auf das Vergangene wirft, auf eine größere Entfernung aus und gibt den Gegenständen, die die Seele hier entdeckt, etwas Erhabenes, wie sie der Beständigkeit der Neigungen einen höhern Werth ertheilt. Die Zukunft hat ebenfalls ihre Aussichten und ihre Geheimnisse, und beide haben eine noch größere Ausdehnung und Tiefe. Das Vergangene ist begrenzt, bestimmt, das Künftige ist unbekannt und scheint grenzenlos; das Vergangene ist entschieden, unveränderlich, außer unserer Gewalt, das Künftige scheint uns anzugehören, gehört uns wenigstens in dem an, was der Herrschaft unserer freien Thätigkeit unterworfen ist. Dem Schooße der Zukunft scheinen tausend Stimmen zu entsteigen, die die Neigungen unseres Gemüthes erwiedern; es sind Echo's, die ihm seine eigenen Zurufe wiederholen. Die Hoffnung schmückt die Gegenstände der Neigungen und verschönert sie durch das Unbestimmte, in das sie dieselben hüllet; sie leiht ihnen einen eigenthümlichen Reiz durch die Entfernung, in der sie von ihr gehalten werden und durch die Ungeduld, sie zu besitzen. Sie ist durch den Besitz noch nicht erkaltet, durch die Erfahrung noch nicht entzaubert. Die Hoffnung möchte, wie die Liebe, sich ergießen; sie theilt den Neigungen die Bewegung mit, von der sie selbst fortgerissen wird. Neben den Hoffnungen hat die Zukunft auch ihre Schrecken; aber die Hoffnung, ein Kind der Einbildungskraft, begleitet diese launige Macht in ihre Verirrungen und erträgt willig ihre Täuschungen. Sowie sie indessen das Gefühl durch Schmeicheln nährt, so kann sie es auch durch Täuschung zerstören. Die Neuheit ist für den Menschen das Signal der Hoff-