Einladungsschrift zu der auf den ... statthabenden öffentlichen Prüfung in der Israelitischen Realschule
- Journal
- Einladungsschrift zu der auf den ... statthabenden öffentlichen Prüfung in der Israelitischen Realschule
- Volume
- 1851
- Date
- 1851-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
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11 Neben den Neigungen, die zu dem, was über uns ist, gerichtet sind, gibt es andere, die sich zu denen hinlenken, die unsere Hülfe in Anspruch nehmen, und aus dieser Art von Austausch, aus dieser zwiefachen Richtung des Gefühls entwickeln sich jene Wechselbeziehungen, welche ein reges Leben in der menschlichen Gesellschaft e, halten. Das Mitleid, so nützlich für die, denen es ihre Bürde erleichtert, ist es nicht minder für die Helfenden selbst. Es lehret diesen die Theilnahme; es offenbart ihnen die Heiligkeit der Bande, die uns mit unfern Brüdern verknüpfen; es führt sie ein in die heilige Stätte der Humanität. Aber nicht das geringschätzende Mitleid gewährt diese Belehrung, sondern jenes, dem sich eine gerechte Achtung für das Unglück beigesellet; nicht dasjenige, welches sich nur von dem Anblick des Leidens befreien will, sondern jenes, dem es Bedürfniß ist, die Quellen desselben zu verstopfen. Wie leicht ist es, die zu lieben, denen man wirkliche Dienste leisten kann. Welche neue Kräfte finden wir in uns wach werden, wenn die Veranlassung zur Hingebung sich unerwartet uns darbietet, und wir sodann die entzückende Freude kosten, Erleichterung und Glück um uns her verbreitet zu haben. Jene im Kampfe so furchtbaren Krieger, deren Hülfe die unterdrückte Unschuld anruft, sie sind nicht nur bewegt, sie sind ergriffen; die zarteste Rührung ist in ihre Seelen eingedrungen. Hier zeigt sich uns die dritte Bedingung, die wir der Bildung des Gefühls vorzuschreiben uns berechtigt glauben: die Thätigkeit des Wohlthuns in der allgemeinsten Bedeutung, die Thätigkcit in Allem, was für die Menschen wahrhaft wohlthätig ist. Das Gefühl täuscht sich zuweilen selbst und gefällt sich in einer behaglichen Ruhe. Dieser Zustand hat, bei längerer Fortdauer, für das Gefühl einen trügerischen Reiz; es würde aber, durch den Mißbrauch einsamer Genüsse, sich bald erschöpfen und verzehren. Es bedarf zu seiner Nahrung der Handlung wie der Erfahrung, als einer Leiterinn. Auf dem Schauplatz der Wirklichkeit lernt es seine Regungen individualisiren, ihnen ein bestimmtes Ziel vorsetzen; durch die Gegenstände, die zu seiner