Einladungsschrift zu der auf den ... statthabenden öffentlichen Prüfung in der Israelitischen Realschule
- Journal
- Einladungsschrift zu der auf den ... statthabenden öffentlichen Prüfung in der Israelitischen Realschule
- Volume
- 1851
- Date
- 1851-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
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gung kann als eine Verehrung gefordert, oder als eine Hülfe angerufen werden. Glücklich diejenigen, die in den Wesen, an welche sie durch die Bande der Natur geknüpft sind, zugleich Vorbilder finden, und die Gefühle einer überdachten Ehrfurcht mit den natürlichen Trieben vereinigen können. Wie schön ist diese mit Bewunderung gemischte Liebe, die mit der Verehrung der Tugend zusammenfallt! Glücklicher noch diejenigen, welche, indem sie den von der Natur unter ihren Schutz gestellten Wesen das Beispiel eines schönen Lebens geben, die größte aller Wohlrhaten gegen sie üben, ihren Herzen die nützlichsten Lehren und ihrer Zuneigung die triftigsten Gründe darbieten. Möge bei den Bündnissen unserer Wahl diese Absicht uns beständig vorschweben! Möge bei unfern innigsten Verbindungen eine weise Vorsicht und eine erleuchtete Unterscheidung obwalten! Wir beklagen uns oft, in unfern Gefühlen getäuscht worden zu sein. Sollten wir nicht vielmehr uns der Unvorsichtigkeit, der Blindheit in den Verhältnissen, die wir angeknüpft, beschuldigen? Das ist aber noch nicht hinreichend. Es ist uns nicht vergönnt, nur vollkommene Wesen um uns zu sehen; der beständige Umgang läßt die Unvollkommenheiten selbst derjenigen, welche die Bessern sind, allmälig hervortreten. Diese Entdeckung mag überraschen, kälter machen und so die Blüthe des Gefühls dahinwelken. Eine zarte Sorgfalt ist daher erforderlich, auf daß die Gegenstände unserer Neigung durch die Eindrücke des vertraulichen Umgangs nicht ihre Farbe verlieren. Wir müssen das Mangelhafte derselben vor uns selbst mit einem Mantel verhüllen und das Gefühl unserer Verehrung unverletzt erhalten; denn wahrhaft lieben können wir nur das, was wir als ehrenwerth zu betrachten vermögen. Es gibt daher auf dem Schauplatze der Gesellschaft keinen gefährlichem Feind der Gefühle des Herzens, als jene Spottsucht, die Allem den Zauber nehmen, Alles herunterziehen möchte; keinen verderblichern Einfluß, als jene grausamen Geistesspiele, bei welchen eine boshafte Frivolität sich darin gefällt, die Achtung, welche der Herzensgüte gebührt, zu verletzen, die Herzenseinfalt mit den Pfeilen der