Einladungsschrift zu der auf den ... statthabenden öffentlichen Prüfung in der Israelitischen Realschule
- Journal
- Einladungsschrift zu der auf den ... statthabenden öffentlichen Prüfung in der Israelitischen Realschule
- Volume
- 1851
- Date
- 1851-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
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8 genug verkünden uns in den unbekannten Wesen, die wir Thierc nennm, die zwar durch eine dichte Scheidewand von uns getrennt, aber mit Organen, ähnlich den unsrigen, begabt sind, ein Princip der Sensibilität und einen Anfang von Intelligenz. Es ist aber unmöglich, daß ein Mensch sich gewöhne, empfindende, wenn auch mit einer verschiedenen Form bekleidete Wesen leiden zu sehen, ohne daß sein Gefühl für die Leiden seiner Mitmenschen schwächer würde. Diese Gefahr wird noch viel bedenklicher, wenn er sich daran gewöhnt, sie leiden zu machen oder gar ihren Leiden mit einer Art von Wohlgefallen zuzusehen. Das Princip der Sympathie wird dadurch nothwendig verletzt werden und wenn auch Sympathie noch nicht die Empfindsamkeit des Herzens in ihrer ganzen Reinheit ist, so ist sie wenigstens Vorbote und Gehülsin derselben. Wie kann man zugeben, daß zweckloser Schmerz auf dieser Erde geschaffen werde? Was haben sie uns gethan, diese unglücklichen Geschöpfe, an denen wir diese grausame Macht üben? Sind die, welche wir quälen, nicht oft dieselben, die uns mit williger Folgsamkeit, ja mit einem gewissen Eifer ihre nützlichen Dienste leisten, die sogar sich unfern Genüßen zugesellen und gegen uns die Beziehungen einer wundersamen Zuneigung zu suchen scheinen? Gebietet uns das Geheimniß, welches uns ihre Existenz verhüllt, nicht eine gewisse Zurückhaltung oder wenigstens eine gewisse Scheu? Der Mensch ist ihr König oder behauptet es zu seyn; ist es ihm erlaubt, ihr Henker zu werden? - Es gibt noch eine andere, nicht minder wesentliche Bedingung der Cultur des Gefühls, die sich unmittelbar auf den Zweck dieser Erziehung bezieht. Sie besteht darin, unsere Neigungen - auf die Gegenstände zu richten, die es werth sind, hervorgerufen und festgehalten zu werden; schweifen sie planlos umher, so sind sie Verirrungen ausgesetzt, und nehmen eine verderbliche Beweglichkeit an; je mehr sie aber auf Vernunft und Gerechtigkeit gegründet sind, desto stärker und dauerhafter werden sie. Diese.Maxime leidet eine zwiefache Anwendung: unsere Nei-